(Rezension) Mignon Kleinbek - Wintertöchter-Die Gabe


Pinguletta Verlag

www.pinguletta-verlag.de

 

Erschienen im November 2017

ISBN 978-3-9817678-5-8

Format: Taschenbuch

Preis: 13,90 Euro

Seiten: 370

 


Wenn man schon ganz zu Beginn eines Buches zusammen mit der Hauptprotagonistin einen Tee trinken möchte (obwohl man ja eigentlich Kaffeetrinkerin ist), um sich dann in Ruhe ihre Lebensgeschichte anzuhören - dann spricht alles dafür, dass man genau zum richtigen Buch gegriffen hat.

 

"Wintertöchter - Die Gabe" von Mignon Kleinbek entführt uns in die karge und kalte Bergwelt der österreichischen Tauern, in ein kleines Örtchen, in dem das Leben einfach ist und von der allgegenwärtigen Arbeit, vor allem jedoch von den Jahreszeiten bestimmt wird. Anna wird hier geboren und erzogen und Anna ist es auch, die uns als alte Frau ihre bewegte, dramatische und erstaunliche Lebensgeschichte erzählt.

 

1940 hat das kleine, abgeschiedene Dorf vom Krieg noch nicht viel mitbekommen - die Menschen arbeiten und leben weiterhin im Einklang mit den Jahreszeiten und scheren sich nicht groß um die Weltpolitik. In einer klirrend kalten Winternacht wird unter großen Strapazen Anna geboren. Das Mädchen, das mit einer besonderen Gabe bedacht ist und das seinen Vater, der sich aufgemacht hat, um Hilfe für seine gebährende Frau zu holen, niemals kennenlernt.

 

Annas Mutter Marie ist eine stolze und schöne Frau, der jedoch auch sehr viel Schwermut anheftet und die sich ihr Leben lang um Anna sorgt, nachdem sie feststellt, dass ihr Kind mit genau der selben Gabe gesegnet ist, wie Maries Schwester Barbara. Barbara ist das genaue Gegenteil von Marie: Laut, fröhlich und zupackend. Ihre Gabe, von der kein Außenstehender etwas wissen darf, macht sie sich für ihren Beruf als Hebamme und Heilerin zunutze.

 

Von welcher Gabe hier die Rede ist, verrate ich nicht, denn das solltet Ihr selber herausfinden. Nur soviel dazu: Ich kann mich überhaupt nicht mit dem Genre der Fantasy anfreunden und dachte zu Anfang kurz, dass es sich um genau so einen Hokuspokus handeln würde. Dem ist aber nicht so. Diese Gabe, die Barbara positiv nutzt und die von Marie verflucht wird, ist tatsächlich gar nicht so weit hergeholt.

 

Um Anna zu schützen, zieht Marie mit ihr auf den Julianenhof, den sie von ihren Eltern geerbt hat und der sehr abgeschieden oberhalb des Dorfes steht. Hier wähnt sie Anna in Sicherheit vor Fremden und auch vor den Dorfbewohnern und die beiden führen ein ruhiges Leben mit ihren Tieren und der täglichen Arbeit auf der Alm. 

 

Irgendwann kommt jedoch der Zeitpunkt, an dem Anna zur Schule gehen muss, in die Pubertät kommt ... und sich zum ersten Mal verliebt. Immer unterstützt von ihrer rational denkenden Tante, immer ausgebremst von ihrer überängstlichen Mutter, ist Anna hin und her gerissen und flüchtet sich bisweilen in ihre Gabe, obwohl die ihr schon das ein oder andere Mal zum Verhängnis wurde.

 

Mignon Kleinbek fesselt den Leser an die Seiten mit dieser sehr atmosphärischen Geschichte. Sie versetzt uns mit allen Sinnen in die österreichischen Berge, lässt uns den Schnee unter den Fußsohlen knirschen hören, lässt uns beim Almauftrieb die Kuhglocken läuten hören, lässt uns die behagliche Wärme des Kaminfeuers im Julianenhof spüren und lässt uns mit den Charakteren bangen und zittern, als Marie sich noch einmal vermählt und ihr Mann nach der Hochzeit sein wahres Gesicht zeigt.

 

MEIN FAZIT: Drei Frauenschicksale, drei harte und entbehrungsreiche Lebenswege, ein kleines Dorf in den Bergen, traditionelle und abergläubische Einwohner, eine Gabe, die geheim gehalten werden muss und ein Ende, das mich auf eine Fortsetzung hoffen lässt. Diese Geschichte will mit einem Heißgetränk vor dem Kamin genossen werden und wird Euch an die Seiten fesseln. 4/5 BÜCHEREULEN

 

 

 

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