(Rezension) Karla Paul - Gilmore Girls

 

GILMORE GIRLS (100 SEITEN - REIHE)
von KARLA PAUL


Reclam Verlag  (www.reclam.de)
Erschienen im November 2016
ISBN 978-3-1502-0445-0

Format: Taschenbuch
Preis: 10,00 Euro
Seiten: 100



 

Ab Oktober 2016 bin ich plötzlich überall - wirklich überall! - über zwei Wörter gestolpert: Gilmore und Girls. Hmmmm.... dass es da mal irgendwann in den 90ern eine Serie mit dem Titel "Gilmore Girls" gab, war mir in nebulöser Erinnerung, jedoch hatte ich weder damals einen annähernd so großen Hype bemerkt wie heute, noch jemals auch nur eine Folge dieser Serie gesehen. Und jetzt schien die Frauenwelt schier auszuflippen aufgrund der Tatsache, dass 10 Jahre (oder noch mehr?) nach dem Ende der siebten Staffel nun die achte Staffel gesendet wurde? Wegen der Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung in einer amerikanischen Kleinstadt?

Ich muss dazu sagen, dass ich nicht gerade zu den begeisterten Fernseh- oder Serienguckern gehöre, wohl aber zu den sehr begeisterten Lesern. Und da der Reclam Verlag nun im Zuge der von mir sehr geliebten 100 Seiten - Reihe (mehr Infos dazu gibt's hier) ein Buch über die Gilmore Girls herausbrachte, war klar, dass ich dieses lesen würde. Um auch mal mitreden zu können. Um zu erfahren, warum alle diese Serie so toll finden. Und natürlich, um mir einen Überblick zu verschaffen, ob mir die Gilmore Girls nicht vielleicht doch gefallen könnten?

Ich habe dieses Buch übrigens gelesen, bevor ich auch nur eine einzige Folge der Gilmores gesehen habe, bin also quasi ins kalte Wasser gesprungen.

Der Aufbau des Buches und auch der lockere Schreibstil von Karla Paul sagen mir sehr zu, denn man erfährt auf kurzweilige Art und Weise viel Informatives über die Darsteller, über die jeweiligen Beziehungen zueinander und über das Leben in der fiktiven amerikanischen Kleinstadt Stars Hollow.

Für Gilmore-Fans ist dieses Buch vermutlich ein Kompendium von Fakten, die sie sowieso alle schon kennen. Für mich war es das Eintauchen in eine andere Welt, die ich immer mehr mochte und die in mir den Wunsch aufkommen liess, diese Serie zu gucken.


Lorelai als durchgeknallte und ständig sabbelnde Mutter und Rory als streberhafte Tochter sind zwei Charaktere, auf die ich allein durch Karlas Beschreibung extrem neugierig geworden bin. Die Beziehung Lorelais zu ihren Eltern wird im Buch als sehr schwierig dargestellt, was sie auch ist, obwohl sich die Parteien immer mal wieder zaghaft annähern. Schon in schriftlicher Form ist das Ganze jedoch sehr unterhaltsam dargestellt.

Die Seriendarsteller reden eine ganze Menge und laut Autorin Karla Paul waren sämtliche Drehbücher weitaus dicker, als die durchschnittlicher amerikanischer Serien. Und so gibt es etliche Zitate zu lesen, die den genialen Wortwitz der Serie hervorheben, die meiner Meinung nach jedoch nicht immer glücklich gewählt sind, da den Nichtkennern einfach der Zusammenhang fehlt.

Der Charakter Rory - die 16jährige, streberhafte Tochter Lorelais - ist eine Büchernärrin vor dem Herrn und hat immer etwas zu lesen dabei (sogar auf Partys und Schulbällen). Karla hat sich nun die Mühe gemacht, alle Bücher, die in der Serie vorkommen, aufzulisten - und ist auf über 300 gekommen. Womit bewiesen wäre, dass diese Serie auch für Bücherwürmer wie mich geeignet ist. Im Internet kursiert aufgrund der Serie sogar eine "Rory Reading Challenge", bei der die Fans der Girls sämtliche Bücher lesen, die jemals dort erwähnt oder gezeigt werden.

Sehr lustig finde ich übrigens auch den Abschnitt, in dem die ganzen Fehler der Serie beschrieben werden und auf die ich dann natürlich geachtet habe. Da hängt schon mal ein Mikrofon im Bild oder Rory nimmt sich in einer Szene ein Stück Pizza und beisst hinein, um dann beim nächsten Schnitt mit leeren Händen dazusitzen und sich bei einem erneuten Schnitt wieder ein Stück Pizza zu nehmen. Irgendwie finde ich solche Fehler sehr niedlich und auch amüsant.

Und ja, ich habe nach der Lektüre von "Gilmore Girls" direkt mit der ersten DVD-Staffel angefangen, fand's zunächst ganz nett und war spätestens ab der zehnten Folge mittendrin und ein treuer Fan. In dieser Serie leben die Darsteller nicht in einer heilen Welt und haben die selben Probleme wie du und ich, aber sie wirken authentisch und das macht sie so sympathisch. Außerdem leben sie ohne Smartphones und Internet spielt kaum eine Rolle. Technik im Allgemeinen nicht - es ist sozusagen eine entdigitalisierte Serie und somit die reinste Wohltat und eine schöne Auszeit vom Alltag.

MEIN FAZIT: Gilmore Fans würde ich dieses Buch nur bedingt empfehlen, da sie darin vermutlich nicht viel Neues finden. Für Leute wie mich, die die Serie nicht kennen (...sorry, "kannten"!) ist es jedoch sehr empfehlenswert, um sich einen Überblick und ersten Eindruck zu verschaffen. 3,5/5 BÜCHEREULEN

 

 

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