(Rezension) Simone van der Vlugt - Kalte Freundschaft

 

KALTE FREUNDSCHAFT
von SIMONE VAN DER VLUGT

Diana Verlag der Verlagsgruppe Random House GmbH (www.diana-verlag.de)
Erschienen im April 2010
ISBN: 978-3-453-29092-1
Format: Taschenbuch
Preis: 8,99 Euro
Seiten: 320


Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
Titel der Originalausgabe: Herfstlied



Wer mag das nicht? Krimis oder Thriller, bei denen der Spannungsbogen konstant hochgehalten wird und bei denen man als Leser permanent rätselt, wer denn nun der Täter ist? Bei denen man vermutet, fieberhaft überlegt, sich fast sicher ist, dann aber doch wieder alles verwirft, weil ein kleines Puzzlestück nicht passen will? Leser/innen, die sich hier angesprochen fühlen, können mit den Büchern der Niederländerin Simone van der Vlugt gar nichts falsch machen, denn diese Autorin weiß bestens zu unterhalten und macht es dem Leser schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Der Schreibstil der Autorin war für mich zunächst gewöhnungsbedürftig, da sie in der Gegenwartsform schreibt, was ich eigentlich gar nicht mag, und zudem kurze und schnörkellose Sätze benutzt, die anfangs ein wenig holperig und abgehackt wirken.

Es gibt Schreibstile, mit denen ich mich überhaupt nicht anfreunden kann und bei denen ich dann nach spätestens zehn Seiten das Buch völlig genervt zur Seite lege. Bei Frau van der Vlugts Büchern dauert es hingegen höchstens eineinhalb Seiten, bis ich völlig in das Geschehen eintauchte. Das war schon bei den zwei vorherigen Büchern, die ich von dieser Autorin gelesen habe, so, und das war auch bei "Kalte Freundschaft" wieder so.

Komplett unblutig und ohne grausame Szenen kommt dieser Thriller aus, was der Spannung allerdings keinen Abbruch tut. Mehr noch, die Handlung spielt in einer sommerlichen, niederländischen Kleinstadt, was dem Ganzen ja schon mal direkt einen liebevollen Stempel aufdrückt. Die Autorin weiß trotzdem, was sie tut, denn sie lässt während der Geschichte einige Leute sterben. Leute, die alle direkt oder indirekt mit der Journalistin und angehenden Autorin Nadine befreundet sind. Was zunächst noch wie ein makabrer Zufall anmutet, wird schon bald zur Gewissheit: Irgendwer hat es auf Nadine abgesehen und scheut nicht davor zurück, ihren Bekannten- und Freundeskreis zu eliminieren.

Immer wieder eingestreute Passagen des Mörders, geschrieben in der Ich-Form, kurbeln die Fantasie des Lesers zusätzlich an und das wilde Spekulieren und Vermuten lässt sich somit gar nicht vermeiden.

Nach und nach wenden sich immer mehr ihrer Freunde ab und Nadine muss allein nach dem "Warum" fragen. Gibt es Neider, weil sie erste Erfolge als Autorin feiert? Hat ihre neue Liebe eine rachsüchtige Ex oder ist gar verheiratet? Nadine und der Leser tappen völlig im Dunkeln. Langsam nur füttert uns die Autorin mit Hinweisen - irgendwann fiel dann allerdings der Groschen und ich war erstaunt, wie es Simone van der Vlugt so lange geschafft hatte, mich komplett auf den Holzweg zu führen.

Großartig erzählt und genau das richtige Buch für einen spannenden Nachmittag auf der Couch. MEIN FAZIT lautet hier: 4,5/5 BÜCHEREULEN

 

 

 

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