(Rezension) Nele Neuhaus - Im Wald

 

IM WALD
von NELE NEUHAUS



Ullstein Verlag (www.ullstein.de)
Erschienen im Oktober 2016
ISBN 978-3-5500-8055-5


Format: Gebunden
Preis: 22,00 Euro
Seiten: 560



Dieser nun mittlerweile achte Fall für das Ermittler-Duo Oliver von Bodenstein und Pia Sander hat es in sich und erfordert die höchste Konzentration des Lesers. Denn sehr viele Personen und ebenso viele verworrene Verwandschaftsverhältnisse verlangen erhöhte Aufmerksamkeit und genau wie der Leser tappen auch die Ermittler bis kurz vorm Schluss völlig im Dunkeln.

Wir befinden uns im beschaulichen, kleinen Örtchen Ruppertshain im Taunus. Beschaulich ist es hier jedoch nur auf den ersten Blick, denn hinter den Fassaden der nach außen hin rechtschaffen erscheinenden Bürger brodelt es gewaltig. Neid, Hass, Ehebruch, alte Sünden und Geheimnisse werden versucht zu vertuschen. Dies scheitert jedoch, als ein Mord dafür sorgt, dass eine lange zurückliegende und nie aufgeklärte Straftat erneut in den Fokus der Ermittler rückt.

Im Wald von Ruppertshain explodiert ein Wohnwagen und brennt daraufhin völlig ab. Schnell ist klar, dass es sich hierbei um Brandstiftung handelt. Als jedoch in den Überresten des Wohnwagens eine fast völlig verbrannte Leiche gefunden wird, überschlagen sich die Ereignisse. Zwei mögliche Zeugen sind unbrauchbar, da die eine zum Zeitpunkt des Verbrechens sturzbetrunken war und der andere ein Jugendstraftäter auf Drogenentzug ist. Als einen Tag später die betagte Besitzerin des Wohnwagens ermordet wird, obwohl sie sich bereits im Hospiz befindet und sowieso bald gestorben wäre, sind Oliver und Pia gezwungen, ein wenig genauer hinter die Fassade der Dorfbewohner zu gucken.

Sie stechen mit ihren Ermittlungen in ein Wespennest und plötzlich steht Ruppertshain kopf. Des Lesers Konzentration wird auf eine harte Probe gestellt, denn ihm werden nun Mengen an Namen präsentiert, die man sich gar nicht alle merken kann. In weiser Voraussicht wurde hierfür am Anfang des Buches ein Personenregister nebst Verwandschaftsverhältnissen abgedruckt.

Der Fall wird immer verworrener, als täglich eine neue Leiche auftaucht. Wie passt das alles zusammen? - fragt sich nicht nur der Leser. Nele Neuhaus präsentiert uns mit "Im Wald" ein wahres Feuerwerk in Form eines Krimis. Ihr klarer und unaufgeregter Schreibstil hält permanent den Spannungslevel und fesselt den Leser an die Seiten. Und so bin auch ich selber in nur zwei Tagen durch diese 560 Seiten geflogen, immer mit einem möglichen Täter im Hinterkopf, der es am Ende aber dann natürlich doch nicht war. Denn wer schließlich als der Schuldige herauskommt .....damit hätte ich nie gerechnet. Und macht das nicht einen guten Krimi aus? Bis zum Ende völlig auf dem Holzweg zu sein?

Für Oliver von Bodenstein wird dieser Fall sehr persönlich, denn er ist in Ruppertshain aufgewachsen und kennt hier jeden. Zudem werden alte Wunden bei ihm wieder aufgerissen, als feststeht, dass der aktuelle Fall irgendwie mit einer lange zurückliegenden Straftat zusammenhängt: Das mysteriöse Verschwinden eines Kindes und eines Tieres im Jahre 1972. Olivers bester Freund Arthur und Olivers zahmer Fuchs Maxi verschwanden am selben Augustabend und tauchten nie wieder auf...

Obwohl "Im Wald" bereits der achte Teil einer Reihe ist, kann man ihn unabhängig von den Vorgängern lesen. Das, was man über die Ermittler wissen muss, wird im Laufe des Krimis erwähnt und der Fall ist in sich abgeschlossen.

Zu bemängeln hätte ich, dass hier definitiv etwas weniger durchaus mehr gewesen wäre: Zu viele Personen, zu viele verworrene Verwandschaften und Verschwägerungen, zu viele Erzählstränge. Die Autorin hat sich hier ein kleines bisschen verzettelt, denn manche Handlungsstränge werden nicht zuende erzählt und es bleiben Fragen nach dem Warum und Wieso.

Alles in allem hat mich dieses Buch jedoch bestens unterhalten und ich empfehle es auf jeden Fall weiter. MEIN FAZIT lautet hier: 4,5/5 BÜCHEREULEN

 

 

 

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