(Rezension) Linus Geschke - Das Lied der toten Mädchen


 

Ullstein Verlag

www.ullstein-taschenbuch.de

 

ISBN 978-3-548-28931-1

Erschienen im Januar 2018

Format: Taschenbuch

Seiten: 400

Preis: 10,00 Euro

 

 


Mit dem Lied der toten Mädchen präsentiert uns der Autor Linus Geschke den dritten Fall des Journalistenteams Jan Römer und Stefanie Schneider. Ja, richtig gelesen: Bei den Protagonisten handelt es sich nicht um Ermittler der offiziellen Behörden, sondern um Journalisten eines Magazins, die neben anderen Reportagen auch an einer Reihe über ungelöste Mordfälle schreiben.

 

Und genau die Tatsache, dass es diesmal eben keine stereotypen Ermittler sind, die Probleme in ihrem Privatleben haben und im Allgemeinen eher düstere Charaktere sind, hat mich neugierig auf das Buch gemacht. Leider wurde ich hier enttäuscht, denn abgesehen davon, dass die Journalisten natürlich nicht dieselben Möglichkeiten haben wie Ermittler, haben sie trotzdem dieselben Charakterzüge.

 

Jan Römer erscheint mir in der Geschichte trotz seiner 40 Jahre recht unreif und schnell beleidigt: Seine Frau hat sich von ihm getrennt und will nun mit dem gemeinsamen 11jährigen Sohn nach Bayern ziehen. Zu ihrem neuen Freund. Natürlich ist das keine einfache Situation und natürlich gibt es darüber Streit zwischen Jan und seiner Ex. Dass Jan jedoch nicht einmal ein klärendes Gespräch unter vier Augen mit seinem Sohn führt und ihn nach seiner Meinung zu der Situation befragt, finde ich schon bemerkenswert schade. Weder mit seiner Figur noch mit der Stefanies, die aufgrund der Tatsache, dass sie immer irgendeine Kopfbedeckung trägt, Mütze genannt wird, bin ich warm geworden. Mütze ist Single und - na klar - bildhübsch. Mehr habe ich über ihre Lebensumstände nicht erfahren. Das macht sie für mich nicht greifbar, bringt sie mir als Charakter nicht nahe. Nun muss ich dazu sagen, dass es bereits zwei vorherige Bände um Jan und Mütze gibt, "Das Lied der toten Mädchen" aber auch gelesen werden kann, wenn man - wie ich - die Vorgänger nicht kennt. Heißt es. Mir persönlich kamen jedoch leider viel zu wenig Informationen über die Protagonisten rüber.

 

Komisch fand ich zudem die Arbeitsweise von Jan und Mütze, denn dabei könnte man immer wieder vergessen, dass sie eben keine Ermittler sondern Journalisten sind, da die Arbeitsweisen sich nicht großartig voneinander unterscheiden. Unbegreiflich ist mir ebenfalls, dass die zu befragenden Leute ihnen so bereitwillig (manche früher, manche später) Rede und Antwort stehen. 

 

Worum es nun in diesem Krimi geht? - Vor 20 Jahren wurde auf dem Wilzenberg im Sauerland spätabends die damals 19jährige Sonja mit einem einzigen Stich ins Herz umgebracht. Bei der Leiche fand man eine Spieluhr, die "Hush little baby" spielte. Der Täter konnte nie ermittelt werden und die ganze Sache geriet in Vergessenheit.- Bis Jan und Mütze der Meinung sind, dass dieser Fall sich hervorragend in ihrer Reihe der ungelösten Kriminalfälle machen würde und beginnen, das Ganze erneut von allen Seiten zu beleuchten.

 

Dass sie in ein Wespennest stechen und schlafende Hunde wecken, dürfte jedem klar sein. Dass jedoch die RAF und der Verfassungsschutz mit dieser scheinbaren Beziehungstat zu tun haben, erstaunt dann doch. 

 

Im Großen und Ganzen ist "Das Lied der toten Mädchen" eine spannende Geschichte mit einigen Überraschungen, die sich flüssig lesen lässt. Dennoch konnte das Buch mich nicht überzeugen, da es mir zu konstruiert, zu klischeehaft, zu unglaubwürdig erscheint. Es gibt Cliffhanger, die der Autor ins Leere laufen lässt, Aussagen, die mir unlogisch erscheinen und am Ende eine Passage, mit der ich als Nichtkennerin der vorherigen Romane gar nichts anfangen kann. Dazu kommen noch - wie oben bereits erwähnt - Protagonisten, die für mich als Leserin sehr nebulös und undurchsichtig bleiben. 

 

Ich bin hier mit großen Erwartungen herangegangen, die leider nicht erfüllt wurden. Daher lautet MEIN FAZIT: 2,5/5 BÜCHEREULEN

 

 

 

 

 

0 Kommentare