(Rezension) Elizabeth Day - Die Party

Dumont Verlag

www.dumont-buchverlag.de

Erschienen im September 2017

ISBN 978-3-8321-9867-1

Format: Gebunden

Preis: 20,00 Euro

Seiten: 400

 

 

"Wie gut kennst du deinen besten Freund?" - So lautet der Untertitel dieses Thrillers und lässt schon ein wenig erahnen, wohin die Geschichte uns führen wird. Denn seien wir doch mal ehrlich: Im wahren Leben kann man den Leuten nicht in den Kopf schauen, warum sollten es die Charaktere in unseren Büchern da einfacher haben? Man verstellt sich, manipuliert und ist nur auf den eigenen Vorteil bedacht - DAS allerdings ist in Romanen natürlich immer eine Spur aufgebauschter und spektakulärer beschrieben, als es in der Realität vielleicht oder ganz sicher der Fall wäre, was allerdings dann auch wieder mit dem angeborenen Voyeurismus der Menschen unserer Zeit zu tun hat. Wir sind nunmal schadenfroh und hämisch, das ist unsere Natur. Deshalb lieben wir es, etwas über das Unglück anderer, möglichst fiktiver Leute zu lesen und sind nachher froh, dass wir nicht in solch einem Schlamassel sitzen sondern gemütlich auf der Couch.

Lange Rede, kurzer Sinn: Dieses Buch steuert auf ein böses Ende zu. Könnte man meinen...

 

Aber fangen wir doch einfach von vorne an: Die Autorin Elizabeth Day hat hier zwei Charaktere erschaffen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Martin ist der kleine Mitläufer, eher durchschnittlich in seiner Gestalt, seinem Aussehen und seinen Aktivitäten. Ben hingegen ist der wahnsinnig gutaussehende, sportliche, überall beliebte und die Mädels natürlich reihenweise vernaschende Sonnenschein. Die beiden lernen sich in jungen Jahren auf der Schule kennen, was für Ben nichts weiter als eine flüchtige Begegnung ist und in Martin von der ersten Minute an einen Plan entstehen lässt. Einen Plan für seine und Bens Zukunft.

 

Ben hilft Martin aus einer Situation heraus, in der er von anderen Mitschülern bedroht wird - für Ben ist das nichts, worüber er anschließend weiter nachdenkt, für Martin ist er jedoch fortan der Held und er will, er MUSS es schaffen, sein Freund zu werden.

 

Was zunächst mit dem Auskundschaften von Bens Vorlieben in Sachen Filme und Musik beginnt, nimmt schon bald merkwürdige Züge an, denn Martin verstellt sich komplett, nur um Ben zu gefallen, gibt vor, die selbe Musik zu mögen (die er in Wahrheit nicht ausstehen kann) und rein zufällig die selben Hobbies zu haben (von denen er keine Ahnung hat). Er hängt nicht nur mit einer hündischen Ergebenheit an Ben, er ist regelrecht besessen von ihm. Nur Ben scheint das gar nicht aufzufallen, was ich sehr merkwürdig fand.

 

Und dann kommt diese eine Nacht. Diese Nacht, die Martin perfekt in die Karten spielt, in der er sich scheinbar opfert, in Wirklichkeit jedoch voller Berechnung handelt und fortan fast ein Mitglied von Bens Familie ist und vor allem von deren immensen Reichtum profitiert.

 

Die Jahre gehen ins Land, die Jungs heiraten und man könnte meinen, das nun alles seinen Weg geht. Ganz entspannt.

Irrtum! Ben ist immer noch der wichtigste Mensch in Martins Leben und selbst ihm ist mittlerweile aufgefallen, dass diese Freundschaft keine normale ist. Deshalb will er Martin loswerden. Auf jener Party....

 

Der Leser bekommt häppchenweise serviert, was in jener ominösen Nacht damals geschah und wird ebenso nach und nach mit dem ganzen Ausmaß von Martins krankhafter Besessenheit konfrontiert. Die Autorin versteht es, Spannung aufzubauen und den Leser bei den Seiten zu halten, denn Ihr erinnert Euch? - Unsere Sensationsgier will unbedingt wissen, wie die Party endet....

 

Doch das Ende ist noch längst nicht das Ende. Das Ende zeigt uns, dass dieser Roman nicht nur ein spannender Thriller sondern auch noch eine Gesellschaftsstudie ist. Eine Gesellschaftsstudie, deren Ende mich mehr als wütend macht. Weil sie der Wahrheit, der heutigen Realität entspricht. MEIN FAZIT lautet hier: 4/5 BÜCHEREULEN

 

 

 

 

 

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