(Rezension) Fiona Barton - Die Witwe

 

DIE WITWE
von FIONA BARTON


Wunderlich Verlag des Rowohlt Verlags (www.rowohlt.de)
Erschienen im Mai 2016
ISBN 978-3-8052-5097-9

Format: Broschiert
Preis: 16,99 Euro
Seiten: 432


Aus dem Englischen von Sabine Längsfeld
Titel der Originalausgabe: The Widow



Die Autorin wendet sich in diesem Buch mit einem Vorwort an ihre Leserschaft, um kurz zu erklären wie es zur Geschichte der Witwe kam: Fiona Barton hat jahrelang als Gerichtsreporterin für verschiedene Medien gearbeitet. Unverzichtbar für diesen Job ist ein wacher Blick, ein Durchschauen und genaues Beobachten der Menschen, mit denen man zu tun hat. Fiona war gut darin, die Körpersprache und das Verhalten der Beschuldigten zu lesen und fragte sich trotzdem immer wieder, was wohl in deren Ehefrauen vor sich ging, die still in den Zuschauerbänken des Gerichtssaales saßen. Wieviel wussten sie vom Verbrechen ihres Mannes und wie gingen sie außerhalb der Öffentlichkeit mit der Situation um?
Diese Frage liess die Autorin nicht mehr los.....und so entstand "Die Witwe".

Ich würde diesen Roman nicht als Thriller bezeichnen, jedoch als soliden Krimi, dessen subtile Spannung konstant aufrecht erhalten wird. Man zieht als Leser schnell seine eigenen Schlüsse, wer denn nun der Täter ist, wird allerdings durch geschickt gestreute Andeutungen immer wieder vom Weg abgebracht. Wirkliche Gewissheit bekommt man erst auf den letzten paar Seiten.

Erzählt wird diese Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und zu verschiedenen Zeiten zwischen den Jahren 2006 und 2010. Jedoch flüssig, nachvollziehbar und zu keiner Zeit verwirrend.

2006 verschwindet die zweijährige Bella Elliott aus dem Vorgarten ihrer Mutter Dawn. DI Bob Sparkes, der diesen Fall leitet, tappt mit seiner Truppe zunächst völlig im Dunkeln, dann aber erhärtet sich der Verdacht gegen Glen Taylor. Glen kommt in Untersuchungshaft und seine Frau Jean, die sich verzweifelt Kinder wünscht und erschüttert über den Fall Bella ist, der durch alle Medien geht, ist wie vor den Kopf gestossen. Es kommt zum Prozess, bei dem man Glen allerdings nichts nachweisen kann, und schließlich zum Freispruch.

2010 sitzt der Fall immer noch allen in den Knochen. Bob wurde zwischenzeitlich versetzt, da er sich so in den Fall verbiss, dass er krank wurde. Glen und Jean werden auf offener Straße beschimpft und von Reportern belagert. Von Bella fehlt immer noch jede Spur und Dawn setzt die Trauer um den Verlust der Tochter medienwirksam ein.

Dann aber kommen neue Ergebnisse, neue Erkenntnisse, wirklich grausame Sachen ans Licht und der Fall wird erneut aufgerollt. Der Verdacht gegen Glen steht wieder im Raum. Während der Ermittlungen stirbt dieser jedoch - und ab da ist die Jagd auf die Witwe eröffnet. Was wusste sie wirklich? Steckte sie mit ihrem Mann unter einer Decke? Hat sie ihn manipuliert? Ist sie wirklich so ein verschüchtertes, graues Mäuschen, wie sie es der Welt vorspielt? Und das Wichtigste: Hat Glen Bella tatsächlich entführt?

Sehr geschickt hat die Autorin hier die einzelnen Erzählperspektiven gewählt: Über Bob Sparkes, die Reporterin Kate, den beschuldigten Glen und Bellas Mutter Dawn wird in der dritten Person geschrieben. Man ist als Leser bei ihnen, sitzt, geht und steht neben ihnen, und kann sich ein gutes Bild machen.
Die Ehefrau/Witwe Jean erzählt jedoch in der Ich-Form, was sie dem Leser unglaublich nahe bringt. Man "weiss" mehr über sie und ist somit den anderen Protagonisten immer eine Länge voraus. Das macht sie nicht unbedingt sympathisch, trotzdem ist sie die intensivste Figur in diesem Buch.

MEIN FAZIT: Durch seine konstant aufrecht erhaltene Spannung kann man diesen Krimi nur schwer aus der Hand legen. Die sowohl kurzen als auch kurzweiligen Kapitel verführen geradezu zum Weiterlesen. Der Schreibstil ist sehr schnörkellos und eingängig. Von mir gibt es für "Die Witwe" eine klare Leseempfehlung und 4,5/5 BÜCHEREULEN


 

 

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