(Rezension) Ruta Sepetys - Salz für die See

Königskinder Verlag der Carlsen Verlag GmbH

www.koenigskinder-verlag.de

 

Erschienen im September 2016

ISBN 978-3-551-56023-0

 

Format: Gebunden

Preis: 19,99 Euro

Seiten: 416

 

 

Aus dem Englischen von Henning Ahrens

Titel der Originalausgabe: Salt to the Sea

 

 

 

Seit langer Zeit, genauer gesagt seit 105 Jahren, sind die Menschen gleichermaßen entsetzt und fasziniert vom Untergang der "Titanic". Jedem ist dieser Name ein Begriff und man denkt unweigerlich sofort an Eisberge und an das Drama, als dieses Schiff bei seiner Jungfernfahrt sank und tausende Menschen in den Tod riss. Als bekanntestes und vermeintlich größtes Schiffsunglück aller Zeiten überschattet es jedoch eines, das weitaus mehr Menschenleben forderte: Der Untergang der "Wilhelm Gustloff".

 

Zugegeben: Auch ich war bisher immer davon ausgegangen, dass die "Titanic" die Spitze aller Schiffsunglücke anführt und der Name "Wilhelm Gustloff" war mir zwar ein Begriff, ich wusste jedoch nicht, dass es sich hierbei um ein Kreuzfahrtschiff der nationalsozialistischen Organisation "Kraft durch Freude" handelte, das im zweiten Weltkrieg als Flüchtlings- und Lazarettschiff zweckentfremdet wurde und von Torpedos getroffen sank. -  Mit etwa 10.000 Menschen an Bord und somit gut 8000 mehr als ursprünglich vorgesehen.

 

Und genau davon handelt diese Geschichte....

 

"Salz für die See" ist ein Jugendbuch, welches ich jedoch eher in die Sparte All Age einordnen würde, denn ich persönlich würde es jeder Altersgruppe empfehlen. Die Autorin beschreibt in einer klaren und eingängigen Sprache die Grauen des Krieges - ohne jedoch zu sehr ins grausame Detail zu gehen. Die Angst der Menschen, die Angst davor, entdeckt, getötet oder verschleppt zu werden, der allgegenwärtige Hunger und die Kälte, die in diesem letzten Kriegswinter 1945 herrscht - die beschreibt Ruta Sepetys allerdings so bildlich, dass man als Leser ins Buch kriecht und an den vielen vielen Schicksalen hautnah teilnimmt.

 

Drei Schicksale sind es jedoch, die den Leser bis zur letzten Seite gefangennehmen und mitfiebern lassen. Drei Menschen, die zu normalen Zeiten nie etwas miteinander zu tun gehabt hätten und nun im Krieg notgedrungen eine Zweckgemeinschaft bilden müssen. Denn alle haben etwas zu verbergen, alle haben Geheimnisse, die sie das Leben kosten könnten. Und alle erhoffen sich ein gewisses Maß an Schutz durch eben diese Zweckgemeinschaft:

Der junge Deutsche Florian ist ein Deserteur, gibt sich aber als Soldat mit Spezialauftrag von höchster Stelle aus. Denn er trägt etwas von unschätzbarem Wert mit sich, etwas dessen Geheimnis bis heute nicht geklärt ist...

Emilia ist als Polin auf der ständigen Flucht, da sie sowohl für die Rote Armee, die von Osten her anrückt, als auch für die Deutschen eine Feindin ist. Um nicht aufzufallen gibt sie sich als taubstumm aus. Zudem ist sie schwanger....

Joana, die Krankenschwester aus Litauen, hat ein Helfersyndrom...und gleichzeitig allen Grund, niemandem mehr trauen zu können...

 

Diese drei Personen treffen sich im eiskalten Winter 1945, als tausende Menschen auf der Flucht vor den Russen nach Westen fliehen, auf dem gefährlichen Weg über das zugefrorene Frische Haff mit dem Ziel Gotenhafen. Immer in Alarmbereitschaft, immer müde, hungrig, frierend und am Ende aller Kräfte.

 

Am Ziel jedoch, so sagt man ihnen, wartet die Wilhelm Gustloff auf sie, jenes Schiff, das die Flüchtlinge nach Kiel in einen sicheren Hafen bringen soll...

 

Fiktion und Realität werden in diesem Buch sehr gekonnt miteinander vermischt und man saugt als Leser die geschichtlichen Fakten in sich auf, vergisst dabei aber auch nicht, dass es tausende verschiedener Schicksale in dieser Zeit gab, von denen vielleicht einige ähnlich denen der Protagonisten waren.

 

Ja, dieses Buch ist traurig und macht sehr betroffen. Es regt jedoch auch zum Nachdenken über eine vergangene Zeit an und es ist vor allem spannend, dramatisch und mitreissend von der ersten bis zur letzten Seite. MEIN FAZIT lautet hier 5/5 BÜCHEREULEN, denn "Salz für die See" gehört definitiv zu meinen Bücherhighlights 2017.

 

 

 

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