(Rezension) Ursula Poznanski - Elanus

 

ELANUS
von URSULA POZNANSKI


Loewe Verlag (www.loewe-verlag.de)
Erschienen im August 2016
ISBN 978-3-7855-8231-2

Format: Broschiert
Preis: 14,95
Seiten: 416




 

Zunächst einmal: Ich liebe es, Protagonisten zu hassen! Für mich ist ein Buch mit Anti-Helden, mit Charakteren, um die man im richtigen Leben einen großen Bogen machen würde, gleich viel interessanter, als ein Buch voller Leute ohne Ecken und Kanten.

Nun, da kam ich bei "Elanus" voll auf meine Kosten, denn unser kleiner Anti-Held Jona ist ein wahrer Kotzbrocken. Von der Natur mit einer überdurchschnittlichen Intelligenz und von einer Eliteuni mit einem Stipendium ausgestattet, lernen wir gleich seine hervorstechendsten Eigenschaften kennen: verurteilend, überheblich, angeberisch. Seine Intelligenz lässt er immer und überall heraushängen, obwohl ihm ein leises Stimmchen im Kopf grundsätzlich zuflüstert, JETZT besser die Klappe zu halten. Nur dummerweise hört er nie auf dieses Stimmchen, was dazu führt, dass er sich gleich an seinem ersten Tag an der Uni in die Nesseln setzt.

Man muss allerdings auch dabei erwähnen, dass Jona mit gerade mal knapp 17 Jahren der jüngste Studierende ist und noch dazu auch aussieht wie ein 17jähriger. Die älteren Studenten nehmen ihn nicht ernst, denken, er hätte sich verlaufen, und kommen direkt sowohl in den Genuss seiner herausragenden Arroganz als auch Intelligenz. Unnötig zu erwähnen, dass Jona keine Freunde hat.

Während seiner Studienzeit bewohnt er ein Zimmer bei Privatleuten, was ihm gar nicht recht ist. Aber seine Eltern lassen in dem Punkt nicht mit sich reden. Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass ihr Söhnchen sozial-schwach ist, da wissen sie ihn lieber in guter Obhut. Jona zieht allerdings nicht allein bei den Gasteltern ein - er hat Elanus dabei: Eine selbstgebaute Drohne, die klein, lautlos und hinterhältig ist. Jona kann Elanus jeden aufspüren und heimlich filmen lassen, dessen Handynummer er besitzt. - Und das wird schon bald zur Sucht. Man könnte es auch Stalking nennen, was Jona da Abend für Abend betreibt. Denn er verliebt sich gleich an seinem ersten Tag an der Uni. Und er hegt Rachegelüste für diejenigen, die ihn - ebenfalls am ersten Tag im Studentenleben - bloßgestellt haben.

Dieses Drohnen-Thema fand ich wider Erwarten am langweiligsten in der ganzen Geschichte. Die immer wiederkehrende Beschreibung, wie Elanus gestartet wird, sich selbstständig sein "Opfer" sucht, filmt und dann irgendwann zurückkommt, hat mich nicht unbedingt vom Hocker gerissen.
Viel interessanter war das Drumherum: Eine ziemlich große Dummheit, die Jona aus verletzter Eitelkeit begeht und die einen ganzen Rattenschwanz an Tragödien nach sich zieht. Ein ominöser Professor, dessen Verhalten mehr als merkwürdig ist. Kommilitonen, die sich in Lügen verstricken. Die Gasteltern, die ebenfalls immer undurchschaubarer werden. Seltsame Vorkomnisse an der Uni. Ein Selbstmord. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass auch Jona beobachtet wird...

Ursula Poznanski hat mit "Elanus" einen sehr spannenden Thriller für Jugendliche geschrieben, der jedoch an ihren Bestseller "Erebos" leider nicht heranreicht. Der Schreibstil der Autorin ist sehr eingängig, schnörkellos und verständlich, so dass man direkt in das Buch eintaucht. Das Ende der sehr stimmigen Geschichte ist mir mit ein wenig zu viel Dramatik behaftet, nichtsdestotrotz hat mir "Elanus" einige sehr spannende und auch grüblerische Lesestunden beschert.

MEIN FAZIT lautet hier: 4/5 BÜCHEREULEN.

 

 

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