(Rezension) Ronja von Rönne - Wir kommen

 

WIR KOMMEN
von RONJA VON RÖNNE


Aufbau Verlag (www.aufbau-verlag.de)
Erschienen im März 2016
ISBN 978-3-35103-632-4
Format: gebunden
Preis: 18,95 Euro
Seiten: 208



 

 

Ronja von Rönne war mir bis zu diesem Buch gänzlich unbekannt, hat aber anscheinend durch ihren Blog namens "Sudelheft", in dem sie über ihre - vielleicht nicht für jeden nachvollziehbare - Sicht der Dinge auf die Themen des Alltags schreibt, eine große Fangemeinde. Vermutlich deshalb wurde dieses Buch schon vor dem Erscheinen durch Presse, Internet und Werbung hochgehypt. Ich persönlich bin jedoch völlig unvoreingenommen an die Sache herangegangen, da mir der Name Ronja von Rönne, wie schon erwähnt, nichts sagte. Im Endeffekt kann ich aber nun sagen, dass Frau von Rönnes Art zu schreiben in kleineren Dosen, eben als Blog, mit Sicherheit funktioniert - 200 Seiten am Stück funktionierten bei mir jedoch nur mit Pausen dazwischen.

Der Schreibstil der Autorin ist durchaus unterhaltsam und hat mich gerade zu Anfang des Romans oft zum Schmunzeln gebracht, dann verliert sich die angepriesene Schnodderigkeit und Kaltschnäuzigkeit allerdings immer mehr. Denn Frau von Rönne schreibt mitunter viel, hat dabei allerdings recht wenig zu sagen. Wiederholt sich oft, schweift immer wieder ab und kommt einfach nicht auf den Punkt. Dieses Abschweifen kann durchaus auch unterhaltsam sein, ist jedoch größtenteils sehr zäh. Vor allem fragt man sich als Leser dann doch hier und da "Was genau will sie mir jetzt eigentlich mitteilen?".

Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt: Zwei Frauen, zwei Männer, ein Kind, eine Schildkröte. Nora, Leonie, Karl, Jonas, Emma - Lou und 390 Gramm. Erzählt wird das Ganze aus Noras Sicht. Nora war mal mit Karl zusammen, der aber nun mit Leonie und ihrer Tochter Emma - Lou, die nie spricht, zusammenwohnt, was ihn nicht daran hindert, immer noch mit Nora ins Bett zu hüpfen, die ja eigentlich mit Jonas zusammen ist, der allerdings auch regen intimen Umgang mit Leonie pflegt. Karl, der gerade an einem Ratgeber über Glück schreibt (Ausgerechnet!), hat beschlossen, dass jeder mit jedem darf. Karl hat auch beschlossen, dass alle zusammen auf unbestimmte Zeit in den Urlaub in sein Strandhaus fahren. Also - Ihr ahnt es schon - fahren alle zusammen in den Urlaub in sein Strand Haus und lassen dort ihr Leben weiter ungenutzt an sich vorbeigleiten. Ganz genau so, wie sie es zuhause auch machen.

Die Hauptprotagonistin Nora legt ein derart unterwürfigen Verhalten an den Tag, dass man sie am liebsten packen und schütteln möchte. Sie katzbuckelt, nimmt alles hin, stellt nichts in Frage, ist die Passivität in Person. (Übertroffen nur noch von Leonie, die ganz gerne mal über längere Zeit ihren Kopf gegen die Wand schlägt und sich auch von Karl schlagen lässt....)
Wenn man nun bedenkt, dass Nora durch ihre Arbeit beim Fernsehen eine Person ist, die in der Öffentlichkeit steht, dann passt es meiner Meinung nach überhaupt gar nicht zusammen, dass sie dermassen unsicher ist und offenbar keinerlei Selbstbewusstsein hat.

In einem zweiten Erzählstrang geht es um Maja, Noras Jugendfreundin, die offenbar gestorben ist. Nora will das trotz offizieller Einladung zur Beerdigung nicht wahrhaben, denn solche Dinge hat man schließlich immer miteinander abgesprochen. Und so schreibt sie eine Mail nach der anderen an Maja und fragt sich tatsächlich, warum keine Antwort kommt. Dass Nora schon lange in psychologischer Behandlung ist, wundert daher gar nicht.
Bei Rückblenden in die Jugendjahre der beiden Mädchen, in denen stets Maja die Tonangebende und Bestimmende für jeden legalen und auch illegalen Blödsinn war und Nora die passive Mitläuferin (Was für eine Überraschung!), verfällt die Autorin leider in eine Art teenie-tussihaftes Gelabere, das mich persönlich ziemlich genervt hat.

Unter'm Strich kann ich zu diesem Buch sagen, dass Ronja von Rönne offenbar versucht, zu polarisieren, indem sie alle ihre Protagonisten anders darstellt. Anders als üblich, anders als jene Leute, mit denen Du und ich befreundet sind oder befreundet sein wollen, jedoch gleich in ihrer Andersartigkeit: ignorant, egomanisch, passiv, depressiv, destruktiv, psychisch labil, rücksichtslos, negativ denkend. Sympathie mit den Figuren? Fehlanzeige! Die einzige "Protagonistin", die mir in diesem Buch als normal und positiv erschien, ist eine Schildkröte namens "390 Gramm". Und die ist am Ende tot....

MEIN FAZIT lautet hier: 2/5 BÜCHEREULEN

 

 

 

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