(Rezension) Paula Fürstenberg - Familie der geflügelten Tiger

 

FAMILIE DER GEFLÜGELTEN TIGER

von PAULA FÜRSTENBERG

 

 

Kiepenheuer & Witsch Verlag (www.kiwi-verlag.de)

Erschienen im August 2016

ISBN 978-3-462-04875-9

 

Format: Gebunden

Preis: 18,99 Euro

Seiten: 240

 

 

 

Es gibt Romane, bei denen man schon nach ein paar Sätzen weiss, dass man sie lieben wird, dass man sie geradezu verschlingen wird. Und es gibt Romane, mit denen man sich bis zur letzten Seite einfach nicht anfreunden kann, mit denen man nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommt und die man dann enttäuscht zuklappt, weil man immer noch die Hoffnung hatte, dass da vielleicht doch noch "Irgendetwas" kommt. - "Familie der geflügelten Tiger" gehört für mich leider in die zweite Kategorie.

 

Warum das so ist? Nun, ich bin weder mit den Protagonisten, noch mit der Handlung noch mit dem Schreibstil der Autorin warm geworden.

 

Fangen wir bei den Protagonisten an: Allesamt wirken sie auf mich völlig passiv und langweilig, fast schon wie Marionetten. Kein einziger der Charaktere kommt zu irgendeiner Zeit mal aus sich heraus oder tanzt aus der Reihe. Sie bewegen sich geradezu schläfrig durch den kompletten Roman und man kann sie ausnahmslos alle über einen Kamm scheren.

 

Die Handlung: Von der Grundidee her durchaus interessant und auch der Klappentext lässt auf eine spannende Geschichte hoffen. Eine Familiengeschichte zwischen Ost und West, wie sie so oder so ähnlich vermutlich nicht selten passiert ist. Ein Familienmitglied (in diesem Fall der Vater) verschwindet im Osten und die Hinterbliebenen können nur Mutmaßungen anstellen, ob er einen Unfall hatte, in den Westen geflohen ist, oder inhaftiert wurde. Fragen, die über die Jahre immer mehr verblassen, aber dennoch allgegenwärtig sind.

Johanna ist bei ihrer Mutter im Osten aufgewachsen und weiß absolut nichts über den Verbleib des Vaters Jens, der zwei Wochen vor dem Mauerfall verschwand. Johanna ist jemand, mit dem ich nicht befreundet sein möchte, jemand, mit dem ich zusammensitzen und krampfhaft nach einem Gesprächsthema suchen würde und jemand, mit dem ich nicht lachen könnte. Sie sammelt Stadtpläne und Landkarten, vermutlich weil es hier vorgegebene Grenzen und Tatsachen gibt (obwohl diese sich ja auch immer wieder verändern) und macht in Berlin eine Ausbildung zur Straßenbahnschaffnerin, obwohl ihre Mutter sie unbedingt an der Uni sehen will. Sie ist sehr introvertiert und man bekommt das Gefühl, dass ihr die Bedeutung des Wortes "Begeisterung" völlig unbekannt ist.

Die Mutter wohnt immer noch in der Uckermark, sammelt verletzte Wildtiere und hegt und pflegt sie hingebungsvoll gesund und arbeitet als Pflegerin in einem Streichelzoo. Sie hat einst Veterinärmedizin studiert und als Tierärztin mit eigener Praxis gearbeitet, bekam dann aber noch zu DDR-Zeiten Berufsverbot. Warum das so ist und warum sie nicht längst wieder als Tierärztin arbeitet, weiß weder Johanna noch sonst jemand  und auch der Leser erfährt es nicht. Mutter und Tochter haben meiner Meinung nach kein allzu inniges Verhältnis zueinander und reden sogar bei den "Pflichttelefonaten" aneinander vorbei. Die Mutter scheint zudem völlig desinteressiert an Jens` Verbleib zu sein.

Jens liegt in einem Westberliner Krankenhaus und hat nicht mehr lange zu leben. Krebs im Endstadium. In dieser Zeit meldet er sich bei Johanna, nachdem deren Halbschwester Antonia ihn dazu überredet hat. Johanna war die Existenz Antonias bis dato unbekannt, sie nimmt aber in ihrer passiven Art alles hin wie es ist und besucht Jens von da an regelmäßig im Krankenhaus, sitzt dort aber meistens auch nur herum und führt nicht ein einziges aufschlussreiches Gespräch.

 

Der Schreibstil: Viele Rezensenten beurteilen "Familie der geflügelten Tiger" als leises und sanftes Buch. Ich würde es eher als müde bezeichnen. Bzw. als ermüdend. Die Handlung hat keinerlei Höhen und Tiefen sondern bewegt sich konstant auf dem selben Level. Es gibt keine Stellen zum Schmunzeln oder zum Mitfiebern. Im Gegenteil, man bekommt regelrecht Mitleid mit den Protagonisten, wenn man sich deren eintöniges Leben vor Augen führt.

Irritierend, wenn nicht gar störend, finde ich auch, dass die Autorin Gespräche der Protagonisten niemals mit Anführungsstrichen kennzeichnet.

 

Das Ende: Hier hat die Autorin abermals meinen Geschmack meilenweit verfehlt, denn es bleiben Fragen über Fragen offen. Im Grunde genommen ist man als Leser hinterher genauso schlau wie vorher.

 

MEIN FAZIT lautet hier: Zum Glück sind Geschmäcker verschieden, denn meiner wurde hier absolut nicht getroffen. 2/5 BÜCHEREULEN

 

 

 

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