(Rezension) Nina George - Das Traumbuch

Knaur Verlag

der Verlagsgruppe Droemer Knaur

www.droemer-knaur.de

 

Erschienen im März 2016

ISBN 978-3-426-65385-2

 

Format: Gebunden

Preis: 16,99 Euro

Seiten: 416

 

 

 

Dies ist eines jener Bücher, die zum richtigen Zeitpunkt kommen müssen, auf die man sich richtig einlassen muss. Denn anders als ein spannender Thriller oder ein witziger Unterhaltungsroman, die man ja eigentlich jederzeit so weglesen kann, muss man für dieses Buch wirklich in Stimmung sein. Und vor allem braucht man Ruhe um sich herum, um es zu lesen und zu verstehen.

"Das Traumbuch" ist ein sehr leises Buch, melancholisch und zu Herzen gehend. Und genau damit hatte ich zu Anfang meine Probleme.

Die Geschichte dieses Romans handelt von Henri, einem ehemaligen Kriegsreporter, der im Koma liegt, von seinem hypersensiblen Teenager-Sohn Sam,  der ihn bisher nicht kennt und von Henris Ex-Freundin Eddie. Jeder der drei hat sein Päckchen zu tragen, jeder hat Probleme, mit dem Leben klarzukommen und von Frohnaturen kann hier überhaupt nicht die Rede sein. Und genau das machte es für mich sehr schwierig, dieses Buch zu mögen. Denn ich liebe Protagonisten, die richtig fies und hinterhältig sind - diese drei hingegen sind passiv und schleichen geradezu auf Zehenspitzen durch den Roman.

 

- "Sam hat sich in den Stuhl gekrallt, während Dr. Saul sein gesamtes akademisches Fachwissen auf uns regnen lässt. Samuel nutzt das Wissen nicht. Er will etwas anderes. Vielleicht Hoffnung. Und Hoffnung ist nicht aus Wissen gemacht." - Zitat Seite 88

Die Handlung spielt größtenteils auf der Intensivstation,  auf der Henri nach einem Unfall im Koma liegt. Und hier fängt die Autorin nun an, zu spekulieren: Was passiert mit einem Koma-Patienten? Wie viel von dem, was um ihn herum geschieht, bekommt er mit? Träumt er? Hat er Nahtod-Erfahrungen? Ist er geistig anwesend und kann sich nur nicht mitteilen?

Eddie, die Henri nach einem Streit vor einigen Jahren aus dem Haus jagte, besucht ihn jeden Tag im Krankenhaus und man fragt sich, warum? Warum übernimmt sie für ihren Ex, der sie nicht genug liebte, um sein Leben mit ihr zu teilen, so viel Verantwortung, dass sie im Notfall über Leben oder Tod entscheiden muss? Und das, obwohl sie längst einen neuen Lebenspartner hat? Warum schrieb Henri einst Eddies Namen in die Patientenverfügung, obwohl er ihr vor den Kopf geknallt hatte, dass er sie nicht liebt und zu dem Zeitpunkt schon von ihr getrennt war? Was bringt einen blitzgescheiten und hochsensiblen Teenager dazu, die Schule zu schwänzen und wichtige Prüfungen zu versäumen, um seinen Vater, den er überhaupt nicht kennt, der nie da war, tagtäglich im Krankenhaus zu besuchen?

Dieses Buch ging für mich persönlich erst nach der Hälfte, nämlich nach etwa 200 Seiten, richtig los. Ich muss gestehen, dass ich es mehrmals abbrechen wollte, im Endeffekt aber nun doch froh bin, dass ich durchgehalten habe. Denn die Geschichte entwickelt sich und mit ihr entwickeln sich die Protagonisten, wachsen zusammen und über sich hinaus.

 

- "...das ist die Magie der Literatur. Wir lesen eine Geschichte, und danach ist etwas anders. Was, das wissen wir nicht, oder warum, durch welchen Satz, das wissen wir auch nicht. Und dennoch hat sich die Welt verwandelt und wird nie mehr dieselbe sein wie vorher. Manchmal merken wir es erst Jahre später, dass ein Buch der Riss in unserer Realität war, durch den wir, nichtsahnend, entkommen sind aus Kleinigkeit und Mutlosigkeit." - Zitat Seite 111

 

Sprachlich ist "Das Traumbuch" größtenteils sehr poetisch und blumig geschrieben - für mich persönlich definitiv zuviel des Guten, denn mir gefällt ein klarer Stil, der Tacheles redet weitaus besser.

Bis kurz vorm Ende ist noch alles völlig offen, dann aber herrscht Taschentuchalarm, bzw. dann wird es extrem rührselig. Da ich die erste Hälfte vom "Traumbuch" nicht mochte, die zweite Hälfte dann aber doch recht gern gelesen habe, lautet MEIN FAZIT hier: 2,5/5 BÜCHEREULEN

 

 

 

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