(Rezension) Amélie Nothomb - Die Kunst, Champagner zu trinken

 

DIE KUNST, CHAMPAGNER ZU TRINKEN

von AMÉLIE NOTHOMB

 

Diogenes Verlag (www.diogenes.ch)

Erschienen im Februar 2016

ISBN 978-3-257-06961-7

 

Format: Gebunden

Preis: 20,00 Euro

Seiten: 144

 

Aus dem Französischen von Brigitte Große

Titel der Originalausgabe: Pétronille

 

 

Die Romane von Amélie Nothomb sind sicherlich nicht jedermanns Sache - entweder man liebt sie oder man kann so gar nichts damit anfangen. Ich selber habe lange gezögert bis ich ein Buch der Autorin gelesen habe. Reality-Show hat mich sehr nachdenklich zurückgelassen, mich schockiert ...und mich zum Fan von Frau Nothomb werden lassen. Denn sie redet nicht lange um den heißen Brei herum sondern klatscht dem Leser ohne Rücksicht auf Verluste die Wahrheit um die Ohren und hält ihm den Spiegel vor.

 

Kurz, klar, schnörkellos. Das ist ihr Stil und mit Sicherheit auch der Grund, warum ihre Bücher kaum die Anzahl von 200 Seiten erreichen. Sie beschränkt sich, bisweilen schwarzhumorig und sehr bissig, aufs Wesentliche - und doch ist am Ende alles gesagt. So auch in "Die Kunst, Champagner zu trinken".

 

Dieser Roman weist biographische Züge auf, denn die Autorin schreibt ganz offensichtlich über sich selber in der Ich-Form. Über ihre immer größer werdende Bekanntheit und den Ruhm, der zwangsläufig darauf folgt. Und über ihre Einsamkeit. Darüber, keine Freundin zu haben, mit der sie - so befremdlich es zunächst klingt - Alkohol konsumieren kann. Denn Amélie Nothomb ist sowohl im Buch als auch im wahren Leben eine begeisterte Champagner-Geniesserin. Wobei der Champagner hier tatsächlich als Genuß- und nicht als Suchtmittel zu verstehen ist.

 

...und so macht sie sich in dieser Geschichte nun also auf, eine Saufkumpanin (O-Ton Frau Nothomb) zu suchen, die ein gutes Tröpfchen genauso zu schätzen weiss wie sie. In der angehenden Schriftstellerin Pétronille Fanto (...ja, ich habe sie gegoogelt - aber nicht gefunden) wird sie schließlich fündig.

 

Obwohl die Autorin nun also hat, was sie wollte, macht sie auf mich die ganze Zeit einen irgendwie "unrunden" Eindruck. Sie wollte jemanden, mit dem sie Champagner trinken und darüber reden kann. So weit, so gut. Pétronille hingegen geht ein wenig extrovertierter an die Sache heran, will vertraulicher werden und sich "auskotzen" können, was Amélie sich immer mehr zurückziehen lässt, bis Pétronille es schließlich auch aufgibt.

 

Beide Charaktere sind auf ihre Art sehr überzogen und exzentrisch dargestellt, was für mich den Reiz des Romans ausmacht. Die Autorin liebt es, zu übertreiben....und vermittelt uns mit dieser Geschichte doch auch die bittere Wahrheit: Freundschaft lässt sich nicht erzwingen und  beinhaltet Ehrlichkeit zueinander und kein permanentes sich-verstellen. Neid und Arroganz haben in einer Freundschaft nichts zu suchen. Und vor allem: Wenn man sich nicht auf Augenhöhe begegnen kann, dann sollte man es besser gleich sein lassen.

 

Das ziemlich krasse Ende dieser Geschichte regt - typisch Amélie Nothomb - zum Nachdenken an und lässt das Buch einige Zeit nachhallen. MEIN FAZIT lautet hier: 4/5 BÜCHEREULEN

 

 

 

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