PANTHERTAGE: MEIN LEBEN MIT EPILEPSIE 
von SARAH ELISE BISCHOF


Eden Books Verlag der Edel Germany GmbH (www.edenbooks.de)
Erschienen im März 2015
ISBN 978-3-944296-93-7
Format: broschiert 
Preis: 14,95 Euro
Seiten: 208

 

 





"Doch die Diagnose Epilepsie war mitnichten meine Endstation. Sie ist vielmehr eine Weiche gewesen, die den Streckenverlauf meines Lebens änderte."

Nach der Lektüre dieser autobiografischen Geschichte war ich zunächst ein wenig beschämt. Beschämt über mich kleine Ignorantin, die bis dato dachte, tja, entweder man hat Epilepsie (dann hat man Pech gehabt) oder man hat keine Epilepsie (und nimmt das als selbstverständlich hin). 
Denn da ich ja nun einmal keinen Epileptiker persönlich kenne, musste ich mich auf die Informationen verlassen, die uns Fernsehen, Filme und Bücher (Frau Bischofs Buch ausgeschlossen) vermitteln: 
- Ein epileptischer Anfall kommt plötzlich.
- Der Betroffene fällt um, verkrampft sich, zuckt und hat Schaum vor dem Mund.
- Der Anfall ist recht schnell vorbei und der Betroffene danach ziemlich gerädert.
....und hier hat mich nun die Autorin eines Besseren belehrt:
Wusstet Ihr zum Beispiel, dass es viele verschiedene Arten von Epilepsie gibt und die Anfälle oft oder sehr selten, extrem schwer oder ganz minimal sein können? 
Bei Sarah wurde 2004 Grand-Mal-Epilepsie diagnostiziert - die schwerste Form dieser Erkrankung.

Und trotzdem ist Sarah ein lebensfroher, völlig selbstständiger, lustiger und aktiver Mensch. Wie kann das zusammenpassen? Ganz einfach: indem sie der Epilepsie jedem Tag auf's Neue den ausgestreckten Mittelfinger zeigt und nach dem Motto "Jetzt erst recht" lebt. Und vor allem eins nicht macht: sich von ihrer Krankheit unterbuttern und einschüchtern lassen. 

In dieser autobiographischen Geschichte lässt sie uns nun an ihrem Leben teilhaben und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Ja, es ist kein Zuckerschlecken, mit dieser schweren Form der Epilepsie zu leben! Und ja, Sarah wird immer wieder regelrecht ausgeknockt von dieser Krankheit, die sie hinterrücks anfällt wie eine Raubkatze! Und trotzdem lässt sich "Panthertage" absolut flüssig weglesen. Wer einen trockenen medizinischen Ratgeber mit ganz ganz vielen Fachbegriffen erwartet, wird sehr enttäuscht sein. Wer allerdings ein "So und nicht anders ist es!", die unbeschönigte Wahrheit einer jungen Frau, die bisweilen mit einer ziemlichen Schnodderschnauze daherkommt, lesen möchte, dem sei dieses Buch dringend ans Herz gelegt.

Denn nach vielen und ellenlangen Aufenthalten in diversen Kliniken war für die Autorin, die doch so viel vorhatte in ihrem Leben, der Punkt gekommen, an dem sie der Epilepsie die Stirn bot und zunächst in ihre eigene Wohnung zog. Hunderte Kilometer weit weg von ihrem Elternhaus. 
Und siehe da: es funktionierte! 
Natürlich geht Sicherheit vor und so zog Sarah ein beachtliches "Sicherheitsnetz" zu ihrem eigenen Schutz auf: Freunde und Ärzte, die genau wissen, was im Falle eines Anfalls und auch danach zu tun ist, einen jederzeit erreichbaren Notfallknopf an ihrem Bett und ihre kleine Hündin, die weiss, wie sie sich verhalten muss. Denn Sarah bekommt ihre Anfälle meistens nachts, verliert dabei völlig die Kontrolle über sämtliche Körperfunktionen und kann noch Tage danach kaum gehen oder sprechen. Wäre sie in so einem Fall komplett auf sich allein gestellt, wäre das fatal!

Und so spielt nicht nur die Epilepsie in diesem Buch die Hauptrolle, sondern auch die Freundschaft und das Miteinander. Denn ohne ihre Freunde und ihre Familie, die jederzeit für Sarah da sind, ihr immer hilfreich zur Seite stehen, sie beruhigen und zum Lachen bringen, sie nach ihren Anfällen versorgen und sich auch um ihren Hund kümmern, wäre ihr Leben so wie es ist nicht möglich. 

Als Sarah dieses Buch geschrieben hat, lebte sie bereits 10 Jahre mit ihrer Erkrankung. 10 Jahre, die trotz vieler Rückschläge und schlimmer Momente laut Autorin trotzdem "10 Jahre voller Lebensfreude, Seifenblasen, Einhörnern im Kopf und Luftballons" war. 

Dieses Buch bringt den Leser trotz des sehr unterhaltsamen und kurzweiligen Schreibstils der Autorin zum Nachdenken. Darüber, dass man seine eigene Gesundheit als selbstverständlich hinnimmt und bei jedem kleinen Zipperlein das Jammern anfängt. Denn wenn Sarah eins nicht macht, dann ist das Jammern. Sie gibt uns einen sehr bildlichen Einblick in ihren Alltag mit der Epilepsie und man kommt eigentlich schon zu Anfang des Buches zu dem Schluss, dass sie nicht nur sehr gut gelernt hat, mit ihrer Erkankung zu leben, sondern dass sie auch das absolut Beste daraus macht. Jeden Tag auf's Neue.


"Panthertage" ist ein sehr mutiges und ehrliches Buch. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und noch lange nachhallt. Ein zugleich witziges und trauriges Buch. 
Vor allem ist es aber ein Buch, für das ich eine absolute Leseempfehlung ausspreche. Denn MEIN FAZIT lautet hier: 5/5 BÜCHEREULEN 

 

 

 

 

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