DIE GIRLS VON RIAD

von RAJAA ALSANEA

 

Goldmann Verlag (www.goldmann-verlag.de)

Erschienen im November 2008

ISBN 978-3-442-46656-6

Format: Taschenbuch

Preis: 8,95

Seiten: 336


Aus dem Arabischen von Doris Kilias

Titel der Originalausgabe: Banat al-Riyad



Aus reiner Neugier habe ich mir dieses Buch gekauft, spielt doch die ( nur teilweise fiktive)Handlung in Saudi-Arabien, einem exotischem Land, das uns aus den Erzählungen aus 1001 Nacht wohl bekannt ist.
Die Realität in diesem Land ist allerdings leider auch jetzt im 21. Jahrhundert alles andere als exotisch: vor allem junge Mädchen haben unter den Fesseln zu leiden, in die sie durch Kultur und Religion gelegt werden. Jedes noch so kleine bisschen Freiheit müssen sie sich hart erkämpfen.
Rajaa Alsanea schrieb dieses Buch, als sie gerade mal 18 Jahre alt war und löste damit in ihrem Land einen riesigen Skandal aus. Natürlich wurde der Roman in Saudi-Arabien verboten (auf dem Schwarzmarkt konnte man ihn dennoch zu horrenden Preisen erhalten). Dabei geht es um nichts anderes als um die vier Freundinnen Kamra, Sadim, Lamis und Mischail, die, wie jedes andere Mädchen auch, von der großen Liebe träumen.
Rajaa Alsanea bringt in einer Aneinanderreihung von Emails, aus denen dieser Roman besteht, die Fakten auf den Tisch: als Mädchen, auch wenn man aus reichem Hause stammt, so wie die vier Freundinnen, hat man in Arabien kaum Möglichkeiten. Rechte schon gar nicht. Hochzeiten werden arrangiert, die Brautleute haben sich vor der Trauung erst einmal gesehen. Die einzige Möglichkeit, sich näher kennenzulernen ist der telefonische Kontakt. Allerdings nur, wenn die Väter dem zustimmen.
Unsere vier Freundinnen sind recht modern, studieren Medizin oder Jura und sagen den Traditionen den Kampf an. Theoretisch. Praktisch sieht es so aus, dass die ein oder andere sich in einen Studienkollegen verliebt und sofort in die Rolle der traditionellen arabischen Frau springt, die sich unterwirft und gehorcht, um dem Mann zu gefallen....und dabei mehr als einmal ganz böse auf die Fresse fällt.
Rajaa Alsanea nimmt kein Blatt vor den Mund und hat keine Angst vor Tabus, trotzdem ist sie eine stolze Araberin, die ihr Land liebt und mit diesem Buch sicherlich auch einen kleinen Anstoß zum Umdenken geben wollte.
"....Natürlich dresche ich härter auf die Männer ein....sie haben mehr Möglichkeiten, also trifft sie größere Schuld." - Rajaa Alsanea im SZ-Interview

Wenn man selbst in der westlichen Welt aufgewachsen ist, schüttelt man nur den Kopf und denkt sich während der Lektüre ständig "Warum haut die nicht mal kräftig auf den Tisch? Warum lässt die das mit sich machen? Warum schießt die den Typ nicht in den Wind?" - weil sie es nicht kann. Weil Tradition, Ansehen, Erziehung und Religion ihr das Verhalten verbieten, das für unsereins selbstverständlich ist.
Es ist ein sehr mutiges Buch und ich ziehe den Hut vor dieser jungen Autorin, die mit der Veröffentlichung sicherlich Einiges riskiert hat.

 

MEIN FAZIT: 3,5/5 BÜCHEREULEN

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