(Rezension) Michael Wallner - In Zeiten der Liebe und des Krieges


 

Pendo Verlag

www.pendo.de

 

Erschienen im Februar 2018

ISBN 978-3-86612-438-7

Format: Gebunden

Preis: 22,00 Euro

Seiten: 400

 


 

Nach Wien verschlägt es uns bei dieser Lektüre, in den Sommer von 1912, in dem die Stadt vom Autor als geradezu paradiesisch beschrieben wir. Nun, paradiesisch zumindest für die Oberschicht, in der wir uns während des kompletten Romans bewegen. Wir sind zu Gast bei der reichen Industriellenfamilie Korff, die sowohl über eine Sommerresidenz direkt am Ufer der Donau als auch über ein Palais in der Stadt verfügt. Man gibt gerne Feste und Gesellschaften, geht in die Oper und ist überhaupt ein Bewunderer der schönen Künste. Für Außenstehende scheint in dieser Familie die reinste Harmonie zu herrschen. - Hinter der Fassade bröckelt es jedoch gewaltig...

 

Das erste Viertel des Romans habe ich wirklich genossen, denn nachdem ich mich einmal an die bisweilen gestelzte wienerische Ausdrucksweise gewöhnt hatte, nahm der Autor mich mit in den Sommer an der Donau. Fand ich zunächst die Geheimnisse, kriminellen Machenschaften und außerehelichen Liebeleien der Familie noch sehr kurzweilig, flachte das Niveau der Geschichte für mich dann allerdings doch leider in Richtung "Groschenroman" ab.

 

Es gibt wohl in jedem Buch Protagonisten, die man mag und solche, die man von Anfang an gefressen hat. Die Protagonisten dieser Geschichte hingegen blieben für mich die ganzen 400 Seiten hindurch dermaßen oberflächlich, dass sie mich immer mehr gelangweilt haben: Das Familienoberhaupt, das ohne das Geld seiner Frau niemals dahin gekommen wäre wo es jetzt ist und zudem der Hausdame nachstellt, die Ehegattin, die unglücklich ist und im goldenen Käfig lebt, der Bruder, der ein verkappter Künstler ist und dementsprechend - wie es sich gehört - schwermütig und melancholisch, die Freundin, die ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann hat, ungewollte Schwangerschaften, verbotene Teenagerlieben, usw. Die reinste Sammlung an Klischees, die zudem immer und immer wieder aufs Tablett gelegt wird.

 

1912 war sicherlich eine interessante Zeit - bei der Geschichte um die Familie Korff hatte ich jedoch das Gefühl, mich vor lauter Abendgesellschaften, Opernbesuchen, Sommerpartys und Smalltalk permanent im Kreis zu drehen.

 

Der Roman beginnt mit dem Mord an einem Leutnant, der eigentlich am nächsten Morgen zum Duell gegen ein Mitglied der Familie Korff antreten soll. Nun liegt der Verdacht natürlich nahe, dass der Mord in Auftrag gegeben wurde, um sicherzugehen, dass der Leutnant das Duell nicht gewinnt. Man könnte also meinen, dass sich dieser Mord und die Aufklärung desselben nun wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. - Irrtum! Nicht nur, dass dieses Geschehen eher nebenbei hier und dort nochmal erwähnt wird und der Autor uns Lesern am Ende eine Aufklärung schuldig bleibt, ist zudem überhaupt kein roter Faden in der Geschichte auszumachen.

 

Um die Liebe geht es ständig und durch die Bank bei sämtlichen Familienmitgliedern. Um neue Liebe, um alte Liebe, um verbotene Liebe, um verschmähte Liebe, um austauschbare Liebe, kurz - um alle Nuancen der Liebe. Das ist mir persönlich jedoch einfach zu wenig.

 

Als der erste Weltkrieg ausbricht und schließlich auch Männer aus reichem Hause an die Front müssen, kommt ein wenig Wind in die Geschichte, reißt das Gesamtpaket allerdings auch nicht mehr heraus. Denn wäre der Krieg nicht in die Geschichte eingebunden, könnte das Buch seine Handlung in jeder x-beliebigen Zeit und an jedem x-beliebigen Ort und vor allem mit austauschbaren Charakteren aus jeder Gesellschaftsschicht haben.

 

MEIN FAZIT: Der Geschichte um die Familie Korff fehlt etwas ganz Wichtiges: Würze. So kommt sie einfach nur fad daher und bekommt von mir keine Leseempfehlung und 2/5 BÜCHEREULEN

 

 

 

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