Bücherorte: Von Draculas Schloss über Lönneberga bis zur 84, Charing Cross Road und noch weiter

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, an genau den Ort zu reisen, der in einem Buch beschrieben wurde, das man in guter Erinnerung hat? Das einen begeistern und mitreißen konnte und dessen Ortsbeschreibung einen mental die Koffer packen ließ? 
Es gibt erfundene Orte, an die man leider niemals reisen wird, wie zum Beispiel Hogwarts oder Mittelerde, und dann gibt es noch jene Orte, die seit Jahren, wenn nicht sogar Jahrhunderten existieren und irgendwann einmal zum "Protagonisten" eines Romans wurden. Einfach so. Weil ein Autor oder eine Autorin sich dachte "Och...da könnte meine Geschichte spielen." 
Manche dieser Orte werden weltberühmt und zu Touristen-Hotspots, manche werden kurzfristig berühmt und manche bleiben genauso unauffällig wie vorher.



Bran, Transsilvanien, Rumänien

Unsere Reise beginnt nun in Rumänien. Im tiefsten Winter 2010 besuchten wir hier einen Freund in der schönen Stadt Brasov am Rande der Karpaten. Und wie sich das für einen anständigen Rumänien - Aufenthalt nun einmal gehört, wollten wir natürlich Draculas Schloss im nahe gelegenen Bran besichtigen. Inwieweit dieses Schloss nun wirklich mit dem weltberühmten Roman von Bram Stoker und auch mit dem echten Dracula in Verbindung steht, nun, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Die einen sagen, er hat auf diesem Schloss gelebt, die anderen sagen, er war nie dort. Ob Bram Stoker genau dieses Schloss im Sinn hatte, als er seinen Roman schrieb, ist auch nicht überliefert. Die Rumänen jedenfalls glauben fest daran (oder tun zumindest so), den auf dem Vorplatz vom Schloss reiht sich eine Souvenirbude an die andere und von Dracula-Tassen über Dracula-Shirts, Dracula-Mützen, -Schlüsselanhänger, -Teller, -Radkappen, -Bratpfannen, -Handtücher, und und und, gibt es hier nichts, was es nicht gibt. Man könnte auch sagen: Die Rumänen mögen ihren Dracula, denn er sorgt für volle Kassen.
Das Schloss selber ist absolut sehenswert, auch wenn ich hier eher Dornröschen ansiedeln würde, als jemanden, der seine Feinde bei lebendigem Leib aufgespießt und anschließend direkt daneben Mittagspause gemacht hat. Aber wer weiß? Vielleicht hatte Dracula, oder Vlad Tepes, wie er richtig hieß, ja auch eine romantische Seite? 
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich den Roman "Dracula" zwar besitze, aber bisher nicht gelesen habe. 
Welches Buch, in dem es ebenfalls um Dracula geht, ich Euch allerdings allerwärmstens empfehlen kann, ist "Der Historiker" von Elizabeth Kostova. Diese Geschichte hat mich vor einigen Jahren schier umgehauen und hat einen festen Platz in der Liste der besten Bücher, die ich je gelesen habe.


Lönneberga, Smaland, Schweden

Wir setzen unsere Reise in nordwestliche Richtung fort. Nach Schweden. Genauer gesagt nach Småland. 
Das Wort Småland habe ich seit jeher sofort mit der Frau verbunden, die ich persönlich für meine Büchersucht verantwortlich mache: Astrid Lindgren. Immer und immer wieder habe ich Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, die Kinder von Bullerbü, Madita und Ronja Räubertochter gelesen und konnte nie genug davon bekommen. 
Und was das Schöne ist: Einige dieser in den Kinderbüchern beschriebenen Orte existieren tatsächlich!
2012 auf unserer Reise zum Nordkap führte uns der Weg nicht nur durch Lönneberga und Mariannelund, nein, das Highlight in dieser Ecke war definitiv der Katthult-Hof. Ihr erinnert Euch? Auf dem Katthult-Hof wohnt Michel aus Lönneberga (der in Schweden übrigens Emil heißt) und bringt seine Eltern regelmäßig an den Rand des Nervenzusamnenbruchs. 
Und genau dieser Hof, der in den Büchern beschrieben ist und den wir aus den Filmen kennen, steht dort recht einsam in der schönen schwedischen Landschaft und alles ist an seinem Platz: Die Fahnenstange, an der Michel seine Schwester Ida hochzieht, der Schuppen, in den sich Michel immer zum Holzmännchenschnitzen einschließt, das Gatter, das Michel für Pferdefuhrwerke öffnet und dabei ein wenig Geld verdient und das Häuschen, in dem Alfred, der Knecht, wohnt. 
Man steht dort auf der Straße zwischen Haus und Stallungen und irgendwie ist alles so unwirklich. Man rechnet damit, dass jeden Moment die Haustür aufgeht und Michel herausgeflitzt kommt, begleitet von dem Gebrüll seines Vaters....

Stattdessen geht die Tür auf und ein netter älterer Schwede kommt heraus, grüßt höflich und fängt anschliessend an, die Blumen zu gießen - denn der Katthult-Hof wird von ganz normalen Menschen wie Du und ich bewohnt. Zumindest außerhalb der Touristensaison. Der Busparkplatz in der Nähe des Hofes lässt darauf schliessen, dass es hier im Sommer nicht so beschaulich zugeht. - Zum Glück ist gerade Herbst.


Sevedstorp, Smaland, Schweden

Wir bleiben in Småland und fahren weiter in das klitzekleine Örtchen Sevedstorp. Und klitzeklein ist gar kein Ausdruck, denn Sevedstorp besteht tatsächlich nur aus drei Häusern. In den Büchern von Astrid Lindgren tragen diese Häuser die Namen Nordhof, Mittelhof und Südhof und der Ort heißt Bullerbü. Die Filme um die Kinder aus Bullerbü wurden ebenfalls hier gedreht und alles ist genau so, wie man es sich vorgestellt hat. 
Astrid Lindgrens Vater wuchs hier auf und inspirierte durch seine Erzählungen seine Tochter zu den Büchern über Lasse, Bosse, Lisa, Inga, Britta und Ole, die ein Welterfolg werden sollten.
Auch Sevedstorp wird übrigens ganz normal bewohnt - ausserhalb der Saison. Denn ein großer Parkplatz mit dem Schild "Bullerbyn" lässt auf reichlich Trubel während der Sommermonate schließen.


Weiter geht die Reise in südwestliche Richtung nach London. Unzählige Romane haben diese Metropole als Schauplatz, aber ich selber war leider noch nie an diesem mit Sicherheit atemberaubenden Ort. Die liebe Karin, auch bekannt als Kristina C. Stauber und Autorin des wunderbaren historischen Romans "Das Leuchten der Sterne in uns", hat mir jedoch von ihrer letzten London-Reise diese Fotos mitgebracht: 



84 Charing Cross Road, London, England

Erinnert Ihr Euch noch an den autobiographischen Roman "84 Charing Cross Road" von Helene Hanff, der mich kürzlich so begeistert hat? Der Roman erzählt in Briefform die Freundschaft zwischen der New Yorkerin Helene Hanff und den Angestellten der Buchhandlung Marks & Co. in der Londoner Charing Cross Road Nummer 84. Aus einer einfachen Buchbestellung wurde in der Nachkriegszeit eine Lebensmittelversorgung und dicke Freundschaft - nachzulesen in einem sehr zu Herzen gehenden Buch. 
Die Buchhandlung Marks & Co. gibt es heute leider nicht mehr, aber zumindest eine Plakette weist noch auf ihre Existenz hin. 
Anstelle von Marks & Co. findet man dort nun übrigens ein McDonald's - welch eine Enttäuschung! 


Brick Lane, London, England

Ebenfalls in London spielt der Roman "Brick Lane" von Monica Ali. Hier geht es um ein junges Mädchen aus Bangladesch, das -verheiratet mit einem viel älteren Mann- in der Londoner Brick Lane in einem Microkosmos lebt. Ihre Nachbarn sind allesamt Einwanderer aus ihrem Kulturkreis und das ganze Leben spielt sich eigentlich nur in dieser Straße ab.
Vor einigen Jahren war die Brick Lane tatsächlich noch ein -eher heruntergekommenes- Einwandererviertel. Wie ich hörte, mausert sich die Ecke nun aber zur angesagten Gegend mit stetig steigenden Mietpreisen.


Grafton Street, Dublin, Irland

Wir halten uns nun nordwestlich und landen in der irischen Hauptstadt Dublin, wo ich im Herbst 2009 in der Grafton Street eher zufällig auf dieses Café gestossen bin. Moment mal...Bewley's.....das kam mir doch irgendwie bekannt vor. Und richtig: In dem einzigen Roman von Cecelia Ahern, der mir gefallen hat, nämlich "P.S. Ich liebe dich" treffen sich die Hauptprotagonistin Holly und ihre Freundinnen in genau diesem Café. Ob diese Örtlichkeit schon vor dem Roman so gut besucht war, weiß ich nicht, aber als ich dort war hat man kaum einen Fuß auf die Erde bekommen.

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