(Rezension) Sarah Pinborough - Sie weiß von dir

Rowohlt Verlag

www.rororo.de

 

Erschienen im Januar 2017

ISBN 978-3-499-27265-3

 

Format: Taschenbuch

Preis: 9,99 Euro

Seiten: 448

 

 

Aus dem Englischen von Ulrike Thiesmeyer

Titel der Originalausgabe: Behind her Eyes

 

 

 

"Dieses Ende dürfen Sie niemandem verraten." steht auf der Rückseite des Thrillers. Mal abgesehen davon, dass ich das sowieso niemals tun würde, habe ich mich allerdings schon gefragt, warum es hier extra erwähnt wird? Nun ist es ja so, dass es gute Enden gibt, weniger gute, überraschende, haarsträubende und völlig idiotische. Aber das sollte der Leser eben erst am Ende der Lektüre herausfinden. Wenn man den Schluss schon vorher kennt, macht das ganze Buch ja keinen Spaß mehr.

 

Und Spaß gemacht hat das Lesen dieser "ménage à trois", die dem Leser gleich zu Beginn serviert wird, zunächst auf jeden Fall. Obwohl absolut klischeebehaftet, unterhält uns die Autorin anfangs sehr gut mit ihrer Geschichte um Louise, Adele und David: Die alleinerziehende Louise (die auf dem Klappentext übrigens Louisa heißt) lernt in einer Bar David kennen. Man ist sich sympathisch, man ist betrunken - man knutscht ein wenig herum. Mehr nicht. Ein paar Tage später stellt sich heraus, dass David Louises neuer Chef ist. Beide sind zunächst peinlich berührt, gehen dann aber sehr souverän mit der Situation um. Denn natürlich ist David verheiratet und natürlich ist seine Frau Adele geradezu überirdisch schön und natürlich würde er sie niemals verlassen.

 

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Adele und Louise erzählt. Zudem gibt es immer wieder kleine Einsprengsel mit der Überschrift "Damals". In "Damals" geht es ausschließlich um Adele, die mir das ganze Buch über völlig suspekt und unsympathisch blieb. Damals ist etwas Schlimmes passiert, das Adele in eine psychiatrische Einrichtung brachte. Damals weigerte sie sich zu schlafen. Damals wurde sie von David gerettet.

 

Heute hat Louise ebenfalls Schlafprobleme, denn immer wiederkehrende Alpträume und Schlafwandeln sind alles andere als erholsam und lassen sie langsam aber sicher verzweifeln. Hilfe bekommt sie von Adele, die sie "zufällig" kennenlernt und die ihre beste Freundin wird. Ohne dass David davon weiß. Schon im Klappentext erfährt der Leser, dass das Treffen der beiden Frauen keinesfalls zufällig geschieht und dass etwas viel Schlimmeres als Eifersucht dahintersteckt.

 

So weit, so gut. Obwohl voller Klischees, lässt sich das Buch sehr angenehm lesen und ist auch wirklich spannend. Zudem hat es mir ein interessantes Thema offenbart, von dem ich vorher nie gehört hatte. Das Problem ist nur, dass dieses Thema ab dem letzten Drittel zu weit ausgeschmückt und ausgereizt wurde. Die Handlung des Thrillers verliert sich irgendwann aufgrund dieses Themas, aufgrund der Tatsache, dass die Autorin mehr weiß als der Leser. Es wird verworren und man findet mehrere Textstellen, die völlig unlogisch sind, sich dann aber durch das Ende aufklären.

 

Die große Schwachstelle des Buches ist allerdings genau das, was man niemandem verraten soll: Das Ende. Völlig an den Haaren herbeigezogen liess es bei mir wirklich die Frage aufkommen, ob die Autorin ihre Leserschaft eigentlich verar***en will? Da hat der Hinweis im Klappentext, dass man das Ende niemandem verraten soll, wirklich seine Berechtigung, denn hätte ich vorher gewusst, auf was das Ganze zusteuert, hätte ich das Buch nicht gelesen.

 

MEIN FAZIT lautet hier: Obwohl das letzte Drittel mich sehr enttäuscht hat und ich mit dem Ende überhaupt nicht einverstanden bin, liess sich das Buch bis dahin sehr angenehm lesen. Spannung war vorhanden und am Schreibstil der Autorin ist nichts auszusetzen. 3/5 BÜCHEREULEN

 

 

 

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