(Rezension) Candy Bukowski - Wir waren keine Helden

 

WIR WAREN KEINE HELDEN
von CANDY BUKOWSKI


edel & electric Digitalverlag (www.edelundelectric.de)
Erschienen im Juli 2016
ASIN B01FMKORQU

Format: EBook
Preis: 6,99 Euro
Seiten: 238




Bezeichnenderweise fängt dieses Buch mit der gegenteiligen Aussage des Titels an, denn der erste Satz lautet: "Wir waren Helden." Und ja! Waren wir das nicht alle? Und sind wir es heute nicht immer noch? Wir zum Beispiel, die in den 80ern in der Provinz aufwuchsen, mit der Zeit lebten und lernten, alles Neue und auch uns selbst ausprobierten. Die manch schlechte Entscheidung trafen, hinfielen und doch immer wieder aufstanden. Denen es irgendwann zu eng in der Provinz wurde und die gingen - manchmal ohne zurückzublicken.... Wir waren definitiv Helden.

Sugar, die wohl das Alter-Ego von Candy Bukowski ist, ist ebenso eine Heldin, allein schon deshalb, weil sie mich beim Lesen zurück in die Vergangenheit versetzt hat. In ihre und damit ungewollt (oder gewollt?) auch in meine. Damals, in den 80ern. Bei Batida-Kirsch und "Eye of the tiger" in der Dorfkneipe am Rande von Nirgendwo.

Dieser Coming-of-Age Roman ist eine beeindruckende Lebensgeschichte. Nicht klischeehaft, kitschig oder an den Haaren herbeigezogen sondern schlicht und ergreifend ehrlich. Hier wird nicht geschmeichelt und beschönigt. Hier haben wir es mit einer Heldin zu tun, die mit der Geschichte wächst. Die jung und ungestüm ist, sich ausprobiert, manchmal ziellos umherdriftet und ihren Platz im Leben erst noch finden muss. Und die schlußendlich erwachsen wird, erwachsen werden muss. Die sich jedoch auch viele Gedanken macht und dabei klare Vorstellungen vor Augen hat.

Und so wie Sugar sich vom pubertierenden Girlie zur verantwortungsvollen Erwachsenen wandelt, so wandelt sich auch der Erzählstil von "Wir waren keine Helden" von flapsig und selbstironisch zu ernst, geradezu sanft. Jedem einzelnen Kapitel wird ein internationaler und sehr populärer Song der jeweiligen Zeit vorangestellt, so dass man Lust darauf bekommt, beim Lesen Sugars Soundtrack zu hören.

- "Wenn all die sperrigen Wenn und Aber aus dem Weg gekickt und all die sinnbefreiten Konjunktive vom Herzen gerissen wurden, dann läuft es schon irgendwie in die richtige Richtung. In eine zumindest." - Zitat Seite 49

Candy Bukowski kann wunderbar mit Worten umgehen und so ist gewiss, dass man für sich selbst einige Lieblingszitate anstreicht und immer wieder durchliest. Denn sie hat recht mit dem, was sie schreibt. So einfach ist das.

Freundschaft ist ebenfalls ein großes Thema in diesem Buch, das sich wie ein roter Faden von Anfang bis Ende durchzieht und etwas ganz Wichtiges zeigt: Wahre Freunde müssen nicht ständig aufeinander hocken. Wahre Freunde sind auch füreinander da, wenn sie sich eine lange Zeit nicht gesehen haben - Sugar und der Punker Pete, dem man zunächst nicht so richtig über den Weg traut, der sich dann aber immer wieder als treuer Weggefährte erweist und den man Sugar von Herzen gönnt.

"Wir waren keine Helden" ist ein wortgewaltiges und überraschendes Buch über das Leben und die Liebe, über das Weggehen und das Ankommen. Über die 80er, die 90er und das Hier und Jetzt. Poetisch und klangvoll, daher lautet MEIN FAZIT: 5/5 BÜCHEREULEN.

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Evi (Dienstag, 25 Oktober 2016 09:24)

    Liebe Kerstin,
    ich bin bei Facebook über dieses Buch gestolpert. Das Cover hat mich so gar nicht angesprochen, der Titel so mittelmäßig, aber als ich sah, dass du es mit der vollen Punktzahl bewertet hast, musste ich sofort deine Besprechung lesen.
    Und was soll ich sagen? Du hast mich damit total angefixt! Ich will es lesen. SOFORT! Allein dieses Zita. Wow!
    Danke für diese tolle Rezension, die wieder mal zeigt: Don't judge a book by its cover.

    Liebe Grüße
    Evi