(Rezension) Gabriella Engelmann - Wildrosensommer

 

WILDROSENSOMMER
von GABRIELLA ENGELMANN


Knaur Taschenbuch Verlag der Verlagsgruppe Droemer Knaur (www.droemer-knaur.de)
Erschienen im Mai 2016
ISBN 978-3-42651-845-8

Format: Broschiert
Preis: 9,99 Euro
Seiten: 400



Hinter diesem wunderschön gestalteten Cover und dem sehr einladenden Titel verbirgt sich eine leider eher ins Seichte abdriftende Geschichte eines Neuanfangs. Wie wir es bei Gabriella Engelmanns Schreibstil nicht anders gewohnt sind, lässt sich auch dieses Buch sehr leicht und angenehm weglesen und wartet mit jeder Menge schöner und bildlicher Landschaftsbeschreibungen auf, die uns wie immer am liebsten sofort die Koffer packen und nach Norddeutschland fahren lassen würden. Bei den Charakteren hatte die Autorin jedoch meiner Meinung nach bei diesem Roman kein so glückliches Händchen und die Geschichte ist teilweise schon sehr an den Haaren herbeigezogen:

Hauptprotagonistin Aurelia unterhält sich jeden Abend, sobald ihre beiden Teenie-Töchter schlafen gegangen sind, mit ihrem Mann. Soweit so gut und nichts Ungewöhnliches. Von wegen! - Die bessere Hälfte verschwand zwei Jahre zuvor spurlos und es gibt bis dato keinerlei Anhaltspunkte über seinen Verbleib. Das einzige, was Aurelia damals fand, war das Bild eines Hausbootes mit einer handschriftlichen Notiz "Wir treffen uns dort." Und so sitzt Aurelia also Abend für Abend im heimischen Münchner Wohnzimmer und bildet sich ein, mit ihrem Mann zu reden.

Wie der Zufall es so will, entdeckt sie irgendwann genau DAS Hausboot, das sie von diesem ominösen Bild kennt, im Internet. Das Boot liegt vor den Toren Hamburgs vor Anker und steht zum Verkauf. Aurelia fackelt nicht lange, kauft ihr neues Zuhause auf dem Wasser und zieht mit Töchtern und Katze in den Norden.

Dass hier nun alles völlig problemlos abläuft, der Kauf, der Umzug, das Eingewöhnen in die neue Heimat, die Begeisterung der Töchter über den Umzug (da wird nur ganz minimal rebelliert) und das Finden neuer Freunde, finde ich persönlich nicht besonders glaubwürdig. Hier wäre ein bisschen weniger Friede-Freude-Sonnenschein vielleicht ausdrucksstärker gewesen, denn Norddeutschland ist mit Sicherheit kein großes, lustiges Ferienresort, wie uns die Autorin in ihren Büchern vermittelt.

Als dann auch noch DER geheimnisvolle, introvertierte, große, kräftige und wahnsinnig gutaussehende Fremde auftaucht (der sich als Rosenzüchter herausstellt), ist klar, dass Frau Engelmann hier ziemlich tief in die Klischeekiste gegriffen hat, denn Aurelia lernt ihn nicht einfach so kennen, sondern wird erstmal ohnmächtig. Natürlich sind beide sofort verknallt und natürlich ist er an eine andere Frau gebunden.

Gespickt ist dieser Roman mit einer gehörigen Portion Esoterik, was ein Thema ist, für das ich mich nicht besonders begeistern kann. Aurelia kann die Auren mancher Menschen sehen und erlangt darüber Wissen über ihren Allgemeinzustand. Aber muss so ein Hokus Pokus sein? Von mir aus hätte sich Frau Engelmann dieses Thema komplett sparen können. Denn bei den Auren bleibt es ja nicht, Familienaufstellung, Aromatherapie und zur Krönung der Geist des verstorbenen Hausbooteigners haben auch ihre Auftritte. Für mich sind das alles Themen, die nicht zur Geschichte passen und beim Lesen Langeweile aufkommen liessen.

Der Schreibstil der Autorin reisst zwar Einiges wieder heraus, kann das Gesamtpaket jedoch nicht großartig aufwerten. Dies' ist definitiv das schwächste Buch, das ich bisher von Gabriella Engelmann gelesen habe, denn es hat einen durchaus guten Anfang, wird dann aber konstant immer unglaubwürdiger. Von der Auflösung, wo denn nun der abtrünnige Gatte geblieben ist, ganz zu schweigen! Da hat die Autorin wirklich schon mehrmals bewiesen, dass sie es viel besser kann. Als Strandlektüre eignet sich "Wildrosensommer" sicherlich, für anspruchsvolle Lesestunden ist es jedoch meiner Meinung nach das falsche Buch. MEIN FAZIT lautet hier: 2/5 BÜCHEREULEN.



 

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