(Rezension) Cristina Sánchez-Andrade - Die Wintermädchen

 

DIE WINTERMÄDCHEN
von CRISTINA SÁNCHEZ-ANDRADE


Thiele Verlag der Thiele & Brandstätter Verlag GmbH (www.thiele-verlag.com)
Erschienen im August 2016
ISBN 978-3-85179-330-7

Format: Gebunden
Preis: 20,00 Euro
Seiten: 288


Aus dem Spanischen von Anja Rüdiger
Titel der Originalausgabe: Las Inviernas



Mit "Die Wintermädchen" habe ich ein kleines Bücherjuwel entdeckt! Die Sprache, die Geschichte, die Protagonisten .... - hier ist einfach alles so zauberhaft beschrieben, dass man nicht anders kann, als vollständig in die Geschichte einzutauchen. Und obwohl mir das Cover nicht besonders zusagt und auch der Klappentext nicht wirklich sehr aussagekräftig ist, wusste ich bereits nach wenigen Seiten, dass dieser Roman einer von den ganz besonderen ist, von denen, die noch lange im Kopf und noch länger im Regal bleiben, in die man immer wieder gerne hinein sieht, um hier und da eine Passage erneut zu lesen.

Cristina Sánchez-Andrade entführt uns mit ihrem Buch zurück an den Anfang der 50er Jahre in ein kleines Bergdorf in Galicien. Die beiden Schwestern Dolores und Saladina kehren mit wenig Hab und Gut, ein paar Hühnern und einer Kuh zurück zum Haus ihres Großvaters, in dem sie aufwuchsen, bevor sie vor dem spanischen Bürgerkrieg ins Exil fliehen mussten. Das Haus ihrer Kindheit ist ziemlich heruntergekommen, trotzdem richten sie sich häuslich ein. Argwöhnisch beäugt von den Dorfbewohnern, denn kaum einer hier freut sich über das Auftauchen der Wintermädchen. So werden Dolores und Saladina genannt, weil sie als kleine Mädchen eines kalten Winters zu ihrem Großvater kamen, der fortan für ihr Wohlergehen zuständig war.

Der Großvater starb während des Bürgerkriegs unter grausamen Umständen, ist aber bei den Dorfbewohnern niemals in Vergessenheit geraten. Denn er war ein ausgekochtes Schlitzohr und hatte sie alle in der Hand. Wie? Nun....das ist eine kuriose Geschichte.....

Als nun lange nach seinem Tod die Wintermädchen quasi als seine Erbinnen wieder auftauchen, kommen längst vergessen geglaubte Geheimnisse an die Oberfläche. Alte Schulden und alte Sorgen, Hass, Ärger und Zwietracht machen sich im Bergdorf breit. Zunächst unbemerkt von den Schwestern, denn auch die haben ihre Leiche im Keller zu verbergen.

Cristina Sánchez-Andrade zeichnet hier ein so liebevolles Bild einer Gemeinschaft total verschrobener Dorfbewohner, dass die eigentliche Geschichte für mich fast nebensächlich wurde. Ich hatte das kleine Örtchen, die Häuser und ihre Gärten geradezu bildlich vor Augen und habe mich sehr über die bisweilen äußerst bissigen und zynischen Beschreibungen der Protagonisten amüsiert. Obwohl jeder der Dorfbewohner kleinere oder größere Macken hat, mochte ich sie alle - ohne Ausnahme.

Selbst die mitunter nervende Saladina, diejenige der Schwestern, die weniger hübsch und weniger klug ist und das auch bei jeder Gelegenheit bejammert, ist sehr charmant gezeichnet. Naiv sind sie alle miteinander, die Dorfbewohner. Aber so sympathisch naiv, dass man sich hier einfach wohlfühlt und zum Ende hin, als die Geschichte dramatisch wird, richtig mitleidet.

Dieses Buch ist nicht immer realistisch, nicht immer nachvollziehbar, aber gerade das macht es so zauberhaft. Cristina Sánchez-Andrade ist definitiv ein Name, den ich mir merken werde, denn MEIN FAZIT lautet hier: 4,5/5 BÜCHEREULEN.

 

 

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