(Rezension) Doris Riedl - Gib`s mir, Karma!

 

GIB'S MIR, KARMA!
von DORIS RIEDL


Aufbau Taschenbuch Verlag (www.aufbau-verlag.de)
Erschienen im März 2016
ISBN 978-3-7466-3207-0
Format: Taschenbuch
Preis: 9,99 Euro
Seiten: 304



 

 

Dieser Roman hat eigentlich alles: Drama, Liebe, Hinterlist, Chaos, noch mehr Liebe, noch mehr Drama und vor allem eine Hauptprotagonistin, die mich zur Weissglut gebracht hat. WIE? KANN? MAN? NUR? SO? BLÖD? SEIN?????....habe ich mich mehr als einmal fragen müssen. Im Grunde genommen habe ich mich das sogar mehr als zehnmal fragen müssen, andererseits hat diese Blödheit durchaus auch ihren Unterhaltungswert.

- "Coco und ich kannten uns seit dreißig Jahren, und eigentlich dachte ich, wenn man sich so lange kennt, stellt man sich gewisse Fragen nicht mehr. Zum Beispiel: 'Wo wohnst du?' oder: 'Nimmst du Zucker in den Kaffee?' oder eben: 'Kommst du mit zum Yoga?'" - Zitat Seite 9

Wir haben also die Hauptprotagonistin Andrea, die ...ja, man könnte es so sagen, grundsätzlich den Weg des geringsten Widerstandes geht. Sie arbeitet per Home Office von zuhause aus, daher halten sich ihre sozialen Kontakte eher in Grenzen. Außer ihrer Freundin Coco und ihrem langjährigen Lebensgefährten Leo hat Andrea niemanden, dem sie bei Bedarf ihr Herz ausschütten kann. Man bekommt den Eindruck, dass sie mit dieser Situation nicht ganz glücklich ist, andererseits unternimmt sie aber auch nichts dagegen.

Andreas Freund Leo ist ein ganz spezieller Fall und ein Unsympath von der ersten Seite an. Als Künstler ohne Erfolg finanziert ihm Andrea seit zehn Jahren sein Leben und sein Atelier und lässt sich zum Dank eine Unverschämtheit nach der nächsten von ihm gefallen. (Eben! Wie kann man nur so blöd sein???) Immer wieder macht einer von beiden Schluss und immer wieder kommt Andrea reumütig zu ihm zurück. Man möchte sie wirklich packen und durchschütteln, damit sie endlich zu Verstand kommt.

Als es dann so aussieht, als ob sie ihre Arbeit verlieren würde und mit Leo deshalb nicht zu reden ist, da der Herr Künstler sich gerade in einer Schaffenskrise befindet und bitteschön nicht gestört werden möchte, wächst Andrea alles über den Kopf. Ihr ganzes Leben passt ihr plötzlich nicht mehr, denn so hat sie sich das ja nun irgendwie nicht vorgestellt. An diesem Tiefpunkt schlägt ihr ihre Freundin Coco vor, sie mal zum Yoga zu begleiten.

 

- "Yoga? Eher würde ich wieder in die katholische Kirche eintreten", sagte ich." - Zitat Seite 9

Und doch ist da ein kleines Stimmchen, dass ihr zuflüstert, sie solle es einfach mal versuchen. Also versucht sie es. Und hasst es vom ersten Moment an. ....und geht fortan jeden Tag hin. Denn das Yogastudio scheint eine beruhigende und friedliche Parallelwelt zu ihrem chaotischen und nicht sehr positiven Leben zu sein. Hier fühlt sie sich komischerweise wohl und verstanden und gut aufgehoben bei der Yogalehrerin Paula, die sehr spirituell und mitfühlend zu sein scheint.

Und dann ist da ja auch noch Hans. Hans ist absolut kein Hingucker, kein Frauentyp und schon gar kein Macho. Hans geht es einfach nur um seine Gesundheit und Beweglichkeit. Hans ist ehrlich zu jedem und ein absoluter Ruhepol. Sowas kennt Andrea gar nicht und fühlt sich - auch wenn sie es selber nicht versteht - magisch von Hans angezogen....

 

Zuhause geht weiter alles drunter und drüber, Leo startet ein künstlerisches Projekt nach dem nächsten, von denen alle viel von Andreas Geld kosten und von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind, Yogalehrerin Paula entpuppt sich als intrigantes Miststück durch und durch und Andrea und Coco haben den größten Streit ihres Lebens.

 

- "So ist das oft mit Untergängen: Man weiß nicht genau, wie schlimm es steht. Man ahnt es nur. Erst am Ende, wenn es meist viel zu spät ist, erkennt man, dass man längst untergegangen ist." - Zitat Seite 168

 

War der Grundton des Romans zu Anfang noch locker-flapsig und hielt so manchen Lacher bereit, wird er immer ernster, je mehr sich Andreas Lage zuspitzt. Sie verscherzt es sich mit allen und ist an Naivität nicht mehr zu überbieten, daher hielt sich mein Mitleid für sie auch sehr in Grenzen. Der Schreibstil der Autorin ist durchweg angenehm zu lesen, der Inhalt des Buches nicht sehr anspruchsvoll und gut als kurzweilige Sommerlektüre geeignet.

 

MEIN FAZIT lautet hier: 3/5 BÜCHEREULEN.

 

 

 

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