(Rezension) Susanna Mewe - Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten

 

ALS MEINE SCHWESTERN DAS BLAUE VOM HIMMEL HOLTEN
von SUSANNA MEWE


Aufbau Taschenbuch Verlag (www.aufbau-verlag.de)
Erschienen im Februar 2016
ISBN: 978-3-7466-3219-3
Format: broschiert
Preis: 12,99 Euro
Seiten: 336


 

- "Ich kann nicht glauben, dass er das gesagt hat. Dieser Satz gehört unter Strafe gestellt und mit Elektroschocks geahndet. Ich weiß nicht, was ich fühle ist einfach ungerecht. Auf dieser Basis kann man keinen Kredit aufnehmen oder keinen Fremden auf einer Party küssen. Ich weiß nicht, was ich fühle ist die Sackgasse unter den Sätzen." - Zitat Seite 41


"Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten" ist eine Geschichte über Familienbande, über die Liebe und über Zusammenhalt. Genauso ist es aber auch eine Geschichte über Streit, Krankheit, Missgunst und Gehässigkeit. Eine Geschichte über vier Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die sich im Grunde lieben - das aber auf sehr merkwürdige Art und Weise zeigen.

- "Ich wünschte, mein Vater oder meine Mutter hätten mich gewarnt. Sie hätten mir sagen sollen, dass die Liebe einem alles nimmt, was man hat, vor allem die Selbstachtung, jedes Fitzelchen davon. Und dass die Liebe nicht für jeden ist. Aber meine Eltern hatten ja selbst keine Ahnung." - Zitat Seite 52

Mia, die Ich-Erzählerin dieser Geschichte, steht im Alter von 30+ vor dem Nichts. Ihr langjähriger Freund hat sie 'rausgeschmissen und beruflich klappt es auch nicht so richtig. Eigentlich ist Mia Journalistin, scheut aber vehement den Zwang (so denkt sie) einer Festanstellung und hält sich lieber mit Garderobierenjobs auf diversen Messen über Wasser.
Nun steht sie also da, ohne Mann, ohne Wohnung und natürlich auch ohne Erspartes. Da liegt die Lösung nahe, ein paar Tage bei ihrer Schwester Paula Unterschlupf zu suchen ...und dann mal zu überlegen, wie es weitergeht.

Ihr merkt schon, Mia ist ein eher passiver Mensch, der Probleme weit von sich schiebt. Trotzdem ist der Schreibstil in diesem Buch zunächst witzig-spritzig und sehr kurzweilig, da Mia äußerst zynisch ist und in der Regel kein Blatt vor den Mund nimmt. Und außerdem sind da ja auch noch die anderen Schwestern....

Paula ist die Glucke, die Übermutter und Haus- und Ehefrau mit ganzer Seele, die selbstredend sofort und ohne zu überlegen ihrer Schwester Asyl gewährt. Dass Paulas kleiner Sohn extrem verhaltensauffällig ist und autistische Züge zeigt, versucht sie krampfhaft und mit gespielt guter Laune zu ignorieren. Ebenso die Tatsache, dass ihr Mann und sie häufig streiten und die Familienharmonie sowieso gehörig in Schieflage geraten ist. Paula lächelt das alles weg und nimmt sich lieber Mias Problemen an.

Mia jedoch macht sich die Rettung von Paulas Ehe zur Aufgabe, da sie den Verdacht hegt, dass Paulas Mann fremdgeht. Zur Unterstützung ruft sie die beiden anderen Schwestern Lucy und Sophie herbei und gemeinsam verbringt das Quartett das Weihnachtsfest in Paulas Haus. Und das geht natürlich nicht gut....

- "Wie sich herausstellte, waren Geheimnisse der Kitt gewesen, der unsere Familie zusammengehalten hatte. Nun, wo wir alle ehrlich miteinander waren, gab es nichts mehr, was uns davon abhielt auseinanderzudriften." - Zitat Seite 197

 

Jeder der Schwestern für sich hat eine totale Macke und die Angewohnheit, in Selbstmitleid zu zerfließen oder Probleme kleinzureden. Sich grundsätzlich in das Leben der anderen Schwestern einzumischen und kluge und vor allem unwillkommene Ratschläge zu geben. Vor der eigenen Tür zu kehren ist den Mädels völlig fremd, denn solange man sich um anderer Leute Probleme kümmert, ist man zumindest von den eigenen abgelenkt.
Sobald die Schwestern aufeinanderhocken an diesem Weihnachtsfest, wird der Grundton des Romans ein sehr unglücklicher, denn Freude - und sei es auch nur an den kleinen Dingen des Lebens - ist ihnen scheinbar völlig fremd. Aufgewachsen mit einem ständig fremdgehenden Vater und schließlich zu Scheidungskindern geworden, hat keine der Schwestern ihr Leben so richtig auf die Reihe bekommen. Ihr Umgang miteinander wirkt völlig verkrampft, immer auf der Lauer, ob eine von ihnen einen Fehler machen oder zugeben könnte. Sympathisch war mir keine einzige der Schwestern und identifizieren konnte und wollte ich mich mit so dermaßen negativen und bisweilen sich selbst etwas vormachenden Protagonisten, die überall das Haar in der Suppe suchen, auch nicht.

- "Warum müssen wir so sein?, denke ich. Warum können wir das Gute, das uns im Leben widerfährt, nicht einfach akzeptieren?" - Zitat Seite 216

Sowohl Mia als auch Paula, Lucy und Sophie haben verlernt, glücklich zu sein und empfinden das gemeinsame Fest als Last. Natürlich kommt es mehr als einmal zum Streit und natürlich gehen die Schwestern auch anschließend im Streit auseinander.
Als aber dann eine von ihnen schwer erkrankt, zeigt sich, dass Blut eben doch dicker als Wasser ist. Man rauft sich zusammen, hilft sich gegenseitig, lernt, Hilfe anzunehmen und - was das Wichtigste ist - man kann sich plötzlich wieder über Kleinigkeiten freuen, diese einfach annehmen, ohne zu hinterfragen.

Das Cover von "Als meine Schwestern das Blaue vom Himmel holten" lässt dank seiner bunten Farben eher auf einen lustigen Roman schließen. Das täuscht jedoch, denn Susanna Mewes Romandebüt ist eher traurig-melancholisch, bisweilen in einem recht derben Ton. Trotzdem habe ich diese Geschichte gerne gelesen. Daher lautet MEIN FAZIT hier: 3,5/5 BÜCHEREULEN.


 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Tani (Dienstag, 08 März 2016 09:54)

    Hallihallo :)
    Ich hab das Buch ja jetzt auch gelesen, meine Rezension ist allerdings noch nicht online. Ich habe dem Buch aber auch nur 3 Sterne gegeben, allerdings aus völlig anderen Gründen als du denke ich. :D Du hast recht, wenn ich drüber nachdenke, lässt das Cover tatsächlich darauf schließen, dass es ein fröhlicher, lustiger Roman ist. Aber ich bin allein vom Titel und vom Klappentext ausgegangen, dass es sehr traurig werden muss. Allerdings bin ich da für meine Verhältnisse etwas enttäuscht worden. Alles in allem, aber eine tolle Rezi von dir! :)

    Liebe Grüße,
    Tani