(Rezension) Ursula Poznanski/Arno Strobel- Fremd

 

FREMD
von URSULA POZNANSKI & ARNO STROBEL


Wunderlich Verlag der Rowohlt Verlag GmbH (www.rowohlt.de)
Erschienen im Oktober 2015
ISBN 978-3-8052-5084-9
Format: broschiert
Preis: 16,99 Euro
Seiten: 400


 

 

- Verdammt noch mal, langsam reicht es mir. "Entweder du spielst ein abartiges Spiel mit mir, oder ich sollte dich schleunigst ins Krankenhaus bringen. Wir sind verlobt, Jo. Wir leben zusammen."
Ihre Gesichtszüge entgleisen. Das ist kein Spiel. Sie erkennt mich tatsächlich nicht. - Zitat Seite 19

Stell' dir vor, du freust dich auf einen gemütlichen Abend auf der Couch .... und plötzlich steht ein Fremder in deiner Wohnung und behauptet, mit dir verlobt zu sein! Oder andersherum: Stell' dir vor, du kommst gestresst von der Arbeit nach Hause und freust dich auf einen entspannten Abend mit deiner Verlobten .... die mit panischer Angst auf dich reagiert und behauptet, dich nicht zu kennen.

 

Äußerst spannend beginnt dieser Psychothriller, der von Anfang an nicht nur mit seinen Protagonisten, sondern auch mit den Lesern ein Katz` und Maus Spiel veranstaltet: Joanna, Sproß der drittreichsten Familie Australiens und zur Zeit in Deutschland als Fotografin lebend, ist Erik noch nie begegnet.....glaubt sie. Erik, IT-Leiter eines großen Unternehmens, ist mit Joanna verlobt und lebt mit ihr zusammen.....glaubt er. Und was soll nun der Leser glauben?

 

Die beiden Bestsellerautoren Ursula Poznanski und Arno Strobel haben dieses Buch, das im Wechsel aus Joannas und aus Eriks Sicht erzählt wird, gemeinsam geschrieben. Eine sehr interessante Vorangehensweise, die auch zunächst trotz kleiner Schönheitsfehler aufgeht. Die beiden Autoren spielen sich gegenseitig die Bälle zu und dem Leser bleibt nichts anderes übrig, als dieses "Match" atemlos zu verfolgen. Immer neue Wendungen, Begebenheiten und Cliffhanger am Ende der kurzen Kapitel machen es einem äußerst schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Und schon bald verdächtigt man wirklich JEDEN der Protagonisten.

 

Erik versucht sein Möglichstes, Joanna davon zu überzeugen, dass die beiden wirklich verlobt sind, geht meiner Meinung nach aber nicht forsch genug bei der Sache vor. Hier wären mir noch einige andere Möglichkeiten eingefallen, wie er es hätte beweisen können. Joanna hingegen ist sich nicht sicher, ob Erik nun ein perverser Stalker ist oder ob sie selber so langsam den Verstand verliert. Denn auch ihre Freundin Ela behauptet, dass Joanna und Erik ein Paar wären. Ist Ela am Ende an einer groß angelegten Verschwörung beteiligt? Und was ist mit diesen Aussetzern, die Joanna plötzlich hat? Bei denen sie sich selbst verletzt und nichts dagegen tun kann? Bei denen sie sogar Erik hinterrücks mit einem Messer anfällt, in der Absicht, ihn zu töten?

 

Als dann auch noch Eriks Firma ins Spiel kommt, er ganz offensichtlich von einem ominösen Deal ferngehalten werden soll und sich seine Kollegen immer merkwürdiger benehmen, weiss der Leser endgültig nicht mehr, wer hier eigentlich noch gut oder böse ist.

 

Die ersten zwei Drittel von "Fremd" habe ich gewissermaßen inhaliert. Ich war völlig begeistert vom Zusammenspiel und der Sprache der Autoren, von der Geschichte an sich und dass Ursula Poznanski und Arno Strobel es hier geschafft hatten, von Anfang an den Spannungsbogen permanent aufzubauen. Aber dann....

 

Im letzten Drittel flachte die Geschichte so extrem ab, dass es schon fast ins Absurde ging. Befand ich mich vorher noch zwischen den Seiten eines verdammt guten Psychothrillers, musste ich mich nun fragen, ob ich gerade das Drehbuch zu einem schlechten James Bond Film lese?

Der große Showdown?  - Geradezu lächerlich. Die Aufkärung der Geschichte? - Völlig unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen. Einige Fragen bleiben hier offen und einige Begebenheiten sind einfach unlogisch. Schade, den ich bin sowohl von Ursula Poznanski als auch von Arno Strobel weitaus Besseres gewohnt.

 

Da die ersten zwei Drittel der Geschichte wirklich hervorragend waren und ich hier schon mit einem 5/5-Kandidaten gerechnet hatte, mich das letzte Drittel dann aber leider sehr enttäuscht und mir fast die Lust am Weiterlesen genommen hat, lautet MEIN FAZIT hier: 3/5 BÜCHEREULEN

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Martin (Dienstag, 08 März 2016 23:20)

    Hi Kerstin :)

    bei den ersten 2 Dritteln gebe ich dir vollkommen Recht :)

    Mich hat das Buch aber im Ganzen berührt und in seinen Bann gezogen. Hab es an knapp 3 Tagen durchgelesen und auch direkt nach der letzten Seite noch rezensiert.

    Aber wie so oft in der Bücherwelt, sind die Geschmäcker verschieden. Die Beiden schreiben ja auch weiterhin zusammen. Vielleicht überzeugen sie dich beim nächsten Mal ja zu drei Dritteln :)

    Vielleicht hast du ja Lust, mal bei mir reinzuschauen. Das würde mich total freuen:

    http://buchwellenreiter.blogspot.de/2016/03/poznanski-strobel-fremd-rezension.html

    Ich wünsche dir aber auf alle Fälle eine tolle Lesezeit und vielleicht sieht man sich ja in Leipzig. Falls du auf der Messe bist.

    Liebe Grüße
    Martin

  • #2

    Peter H. (Samstag, 14 Mai 2016 15:12)

    Hallo Kerstin!

    Zum Glück ging es wohl nicht nur mir so. Überall lese ich begeisterte Rezensionen, aber ich fand die Geschichte einfach zu unrealistisch, beinahe schon wie in einem Hollywood-Verschwörungsfilm. Die erste Hälfte war ja echt überzeugend, aber spätestens ab der Explosion war mir das viel zu absurd.

    LG
    Peter
    www.petersbuecherkiste.blogspot.de