Wortgewandt: Astrida Wallat

ASTRIDA WALLAT

Literaturchaos über Astrida Wallat:

Als ich letztes Jahr im Sommer einen Blogbeitrag über diverse Verlagsvorschauen für Herbst/Winter 2015/16 verfasst habe, ist mir unter anderem auch Astridas Roman "Pikkolo und Panettone: Famiglia Maiotti tischt auf" ins Auge gesprungen. Vermutlich wegen der Vespa auf dem Cover...;-). - Nein....natürlich ist das Cover auch sonst sehr ansprechend und der Klappentext überzeugte ebenso, da er auf eine temporeiche und witzige Geschichte über ein deutsch/italienisches Weihnachtsfest schließen liess. Also bekam "Pikkolo und Panettone" einen Platz in meinem Vorschaubericht und landete zudem auf meiner persönlichen Wunschliste.

 

Einige Zeit später nahm die Autorin von sich aus Kontakt zu mir auf. Sie war im Internet über den Namen "Literaturchaos" gestolpert und fand ihn so witzig, dass sie sich meinen Blog etwas näher anschaute. Da sie dann in meiner Rubrik "Über mich" auch noch feststellen konnte, dass wir beide einige (mitunter eher ungewöhnliche) Gemeinsamkeiten haben, kontaktierte sie mich und fragte, ob ich ihr Buch lesen möchte.

 

Kurioserweise ging Astrida zu keinem Zeitpunkt davon aus oder setzte voraus, dass ich "Pikkolo und Panettone" dann auch rezensieren würde. Während es für mich selbstverständlich ist, dass ich ein Buch, das ich annehme, früher oder später auch rezensiere, sagte Astrida von vorneherein, sie glaube, es könne mir gefallen - was ich im Endeffekt damit mache, wäre jedoch ganz allein mir überlassen.

 

Aber - was passt besser zur Weihnachtszeit als eine Weihnachtsgeschichte? Eben! Und DIESE Weihnachtsgeschichte lässt wirklich den Wunsch nach einer eigenen deutsch/italienischen Familie aufkommen, da man sich dann ums Essen keine Sorgen machen muss und für`s Entertainment auch gesorgt ist.

 

Nachdem ich die Rezension veröffentlicht hatte und dies Astrida per Chat mitteilte, entwickelte sich ein recht reger Schriftverkehr zwischen uns. Wie das bei den Mädels halt so ist: man will nur kurz etwas schreiben und kommt dann von einem Thema auf`s andere....

Astrida ist eine sehr angenehme Chat-Partnerin, vor allem eine ehrliche und herzliche Chat-Partnerin. Wenn sie mal einen nicht so guten Tag hat (und das kennen wir ja wohl alle), dann sagt sie das auch offen und ehrlich. Kritik oder Vorschläge nimmt sie sich zu Herzen, ohne jedoch dabei zickig zu werden.

 

Wie jedoch ein Doktortitel (ja, Frau Wallat ist eine Frau Dr. Wallat) und ein Job als Redaktionsleiterin im Reclam Verlag mit diesem chaotisch-quirligen-prallvollen-lauten-lustigen Roman zusammenpassen, habe ich bisher nicht herausfinden können. Aber zum Glück schreibt Astrida schon an der Fortsetzung der Famiglia Maiotti - vielleicht bringt das etwas Licht ins Dunkel. ;-)

 

Astrida, vielen lieben Dank dafür, dass Du hier mitgemacht hast! Auf noch viele lustige Chats und am allerwichtigsten: beeil` Dich mit dem Buch!

 

 

 

Die Autorin über sich selbst:

»Du wirst mal Schriftstellerin!« Davon war meine Deutschlehrerin in der vierten
Grundschulklasse geradezu stoisch überzeugt. Vermutlich aus drei Gründen: 1. umfasste
jeder meiner Aufsätze ein ganzes Schulheft, 2. zwang ich alle paar Wochen meine beste
Freundin zur gemeinsamem Uraufführung eines neu verfassten »Dramoletts« (bzw.
etwas prosaischer: »Sketchs«) und 3. hatte meine arme Lehrerin wohl keine Idee, was
aus einem derart seltsamen Kind wie mir sonst noch so werden könnte. Ich selbst
allerdings schon, nämlich Opernsängerin.
Am Ende behielt die Lehrerin recht, dazwischen jedoch lagen lange Jahre, zuerst des
Gymnasiums, dann eines mit Schreibuntätigkeit verbundenen Studiums. Sowie jede
Menge verworfener Plots und einige äußerst ambitionierte, teils halbfertige, teils
abgelehnte Projekte. Vom Jugendbuch, über den gattungsübergreifenden
avantgardistischen Roman bis hin zu Krimis, Schauergeschichten oder Historischem –
alles dabei. Manchmal bin ich selbst erstaunt, was beim Durchforsten meiner
Schubladen zutage tritt.
Die Begeisterung fürs kreative, »schöpferische« Schreiben hat mich ein Leben lang
begleitet, doch erst durch die Ermunterung meines heutigen Ehemanns und eines

Verlags-kollegen habe ich wieder ernsthaft begonnen, mich auch technisch mit dem

Schreibprozess auseinanderzusetzen. Im Auftrag des Kollegen verfasse ich heute
bisweilen Kurzgeschichten für von ihm edierte Anthologien. Honorar: Eine Flasche
Rotwein.
Was mich selbst fasziniert, ist die Tatsache, dass ich als relativ pessimistischer und eher
melancholischer Mensch in meinem ersten veröffentlichten Roman »Pikkolo und
Panettone« einen überwiegend heiteren Tonfall angeschlagen habe. Vielleicht hat es mit
der Überzeugung zu tun, dass das Leben im Grunde immer beides ist und das meist

tatsächlich zugleich: komisch und tragisch, hoffnungslos und erwartungsvoll, öde und

glamourös. Und dass die Aufgabe von uns SchriftstellerInnen darin besteht, Brücken zu
bauen, die den Rezipienten ins Herz treffen, aber auch zum Nachdenken anregen. Wenn
nur eine(r) meiner Leserinnen oder Leser über die chaotische Famiglia Maiotti sagt:

»Genau, das kenne ich, so ist es, das Leben!«, habe ich meinen Job gut gemacht.

 

 

 

10 Wörter...

ORIGINELL
Ein ziemlich überstrapaziertes und oft missbrauchtes Adjektiv.
ALLEIN
Da halte ich es mit Astrid Lindgren: »Der Mensch hat nur einen zerbrechlichen, kleinen
Schutz gegen das, womit das Leben zuschlagen kann, wenn er nicht gelernt hat, allein
zu sein. Das ist beinahe das Wichtigste überhaupt.«
WOHLWOLLEND
Sollte man sein, bin ich leider am wenigsten mir selbst gegenüber.
STATTDESSEN
Eine äußerst nützliche Vokabel, weil sie manchmal brauchbare Alternativen aufzeigt.
ABENDESSEN
Das schönste Ereignis des Tages, besonders, wenn mein Mann den Kochlöffel schwingt.
ÜBERRASCHUNG
Die tollste findet sich nach wie vor in jedem siebten Ei.
BEGEGNUNGEN
Sind die Essenz des Lebens. Am liebsten unvermittelt, tiefgründig und humorvoll.
ANRUFEN
Im Sinne von »telefonieren«: Von mir wenig geliebt – entgegen dem vorherrschenden
Frauen-Klischee hänge ich wahnsinnig ungern an der Strippe, ein echtes Gegenüber ist
mir lieber. Im Sinne von »beten/flehen«: Kommt schon mal vor, das Ohr der vierzehn
Nothelfer ist ja Gott sei Dank geduldig ...
ZITTERN
Sollte man nur müssen, wenn es draußen kalt ist.
VERFLUCHEN
Möchte man vieles, bringt im allgemeinen nur leider nichts
                                                                        Die 10 Wörter wurden ausgewählt von Seite 55 aus dem Roman "Die wahren Märchen meines Lebens" von Barbara Fiorio

....und nun noch: ein Shelfie der Autorin

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Kommentare: 3
  • #1

    Italia (Donnerstag, 28 Januar 2016 16:42)

    Danke für diesen netten Beitrag! Habe "Pikkolo und Panetton" auch gelesen und sehr gemocht!

  • #2

    Thommy (Dienstag, 16 Februar 2016 09:42)

    Schön, etwas über diese noch unbekannte Autorin zu lesen. Gut geschriebener Text. Ich finde es sehr spannend, wie Schriftstellerkarrieren entstehen und wünsche ihr noch viel Erfolg.

  • #3

    Teresa Schradt (Mittwoch, 17 Februar 2016 10:24)

    Super Seite, besonders die Rubrik "Wortgewandt" finde ich Klasse, werde hier sicherlich wieder vorbeischauen. Hoffentlich stellst Du noch mehr interessante Autoren und Autorinnen vor!