(Rezension) Dani Atkins - Die Nacht schreibt uns neu

DIE NACHT SCHREIBT UNS NEU
von DANI ATKINS


Knaur Taschenbuch Verlag der Droemer Knaur GmbH & Co. KG (www.knaur.de)
Erschienen im Dezember 2015
ISBN 978-3-426-51769-7
Format: Taschenbuch
Preis: 9,99 Euro
Seiten: 448

Aus dem Englischen von Birgit Moosmüller
Titel der Originalausgabe: The Story of Us


Eins gleich vorweg: Bei dieser Lektüre werdet Ihr Taschentücher brauchen. Viele Taschentücher! Denn Dani Atkins bringt nicht nur die Protagonisten in ihrer Geschichte oft zum Weinen. Dieser Roman ist so herzzerreißend, dass man auch als Leser/in oft einen Kloß im Hals hat und richtiggehend mitleidet, bemitleidet, Verständnis hat und vor allem hofft, dass Emma sich richtig entscheiden wird. Sowohl für den richtigen Mann als auch für den richtigen Lebensweg.

Die Autorin hat ihrer Hauptprotagonistin Emma ein Leben auf den Leib geschrieben, das keiner von uns haben möchte: Zunächst schien ihre Zukunft vielversprechend und ihr Job führte sie aus der englischen Kleinstadt erst nach London, dann in die USA. Doch bald schon zerplatzte dieses schöne Leben wie eine Seifenblase. Emma Mutter erkrankte schwer an Demenz und Emma wollte ihren Vater nicht mit der Pflegebedürftigen allein lassen. Also kehrte sie zurück in die Heimat, wurde begeistert von ihren besten Freundinnen Amy und Caroline begrüßt, knüpfte nahtlos an die Beziehung zu ihrem Ex-Freund Richard an und fand eine Stelle als Buchhändlerin. So hatte ihr Lebensentwurf nicht ausgesehen, aber sie arrangierte sich damit und hinterfragte ihn nicht. Und plante ihre Hochzeit mit Richard. Und genau hier geht das Drama los..... 

In der Nacht von Emmas Junggesellinnenabschied kommt es zu einem schweren Autounfall. Caroline, die am Steuer sitzt, trägt nur leichte Verletzungen davon, Emma ist im Autowrack eingeklemmt und Amy überlebt die Nacht nicht. Als Retter in der Not erweist sich hier der amerikanische Schriftsteller Jack Monroe, der zu Recherchezwecken in der Gegend ist und Emma aus dem Auto befreit - kurz bevor es in Brand gerät. 
Sowohl Emma als auch Caroline haben einen immensen Schock erlitten. Amy ist noch bei Bewusstsein und dankt schwer verletzt und unter höllischen Schmerzen Emma dafür, dass sie ihr verziehen hat. Emma kann sich keinen Reim auf diese Worte machen, als Leserin ahnte ich jedoch schon Böses.

Diese Nacht, die zu einem solchen Drama führte, soll fortan mitverantwortlich für die Weichenstellung in Emmas Leben sein: Mit Jack fühlte und fühlt sie sich sofort verbunden und genießt jeden Augenblick, in dem sie ihn sieht. Die Autorin hat hier sehr schön das Knistern zwischen den beiden deutlich gemacht und ich persönlich gehörte sofort zum "Team Jack". Emmas Freunde sehen das allerdings anders. Richard begegnet Jack mit offener Abneigung und auch Caroline und ihr Mann finden es mehr als unpassend, dass Emma ihren Lebensretter ab und an "zufällig" trifft.

Überschattet wird Emmas Leben jedoch von zwei großen Themen: SORGEN und SCHULD. 
Die Sorgen um ihre Mutter, die öfter mal aus dem Haus entwischt und dann nicht zurückfindet. Die Sorgen um den Vater, der mit der Pflege der Demenzkranken sichtbar überfordert ist und immer in sich gekehrter wird. Die Sorgen um Caroline die vor lauter Schuldgefühlen, den Unfallwagen gefahren zu haben, scheinbar depressiv wird. Und die Sorgen um das eigene Leben. Das Wissen, nicht alles aus diesem Leben herausgeholt zu haben, Richards Heiratsantrag viel zu schnell angenommenen zu haben und überhaupt das eigene Leben an sich vorbeiplätschern zu sehen. 

Nein, lustig ist dieses Buch garantiert nicht! Es ist ein leises und dramatisches aber dennoch mitreißendes Buch, das in einem wunderbar angenehmen Stil geschrieben ist. Man taucht von Anfang an in die Geschichte ein und die Seiten fliegen nur so dahin. 
Emmas innerer Zwiespalt, diese Zerissenheit, sich um alles und jeden kümmern zu müssen, dabei aber eigentlich doch nur ihr eigenes Leben leben zu wollen, wird sehr gut zum Ausdruck gebracht, auch wenn mir die Protagonistin gegen Ende mit ihren Entscheidungsproblemen ein wenig auf die Nerven ging.
Die Leere im Leben der Freundinnen nach Amys Tod ist fast greifbar und die Wärme und Herzlichkeit, die entsteht, sobald Jack auf der Bildfläche erscheint, spürt auch der Leser. 

Von mir gibt es für "Die Nacht schreibt uns neu" eine klare Leseempfehlung, denn MEIN FAZIT lautet hier: 4/5 BÜCHEREULEN 

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Kommentare: 1
  • #1

    BuecherFaehe (Dienstag, 22 Dezember 2015 22:36)

    Tolle Rezension!
    Ich fand „Die Achse meiner Welt" wirklich wunderbar, habe aber bis jetzt trotzdem noch nicht daran gedacht, auch ihren zweiten Roman zu lesen. Wenn das Buch allerdings so traurig und emotional ist, warte ich lieber den richtigen Zeitpunkt ab. :)
    Liebe Grüße :)