(Rezension) Astrida Wallat - Pikkolo und Panettone: Famiglia Maiotti tischt auf

PIKKOLO UND PANETTONE: FAMIGLIA MAIOTTI TISCHT AUF
von ASTRIDA WALLAT


Atlantik Verlag des Hoffmann und Campe Verlages (www.atlantik-verlag.de)
Erschienen im Oktober 2015
ISBN 978-3-455-65066-2
Format: broschiert 
Preis: 14,99 Euro
Seiten: 288



Wer es Weihnachten ruhig und beschaulich mag, der sollte dieses Buch lieber nicht lesen.
Wer Weihnachten gerne durchgeplant und mit einem reibungslosen Ablauf hat, der sollte sogar einen großen Bogen um dieses Buch machen.
Und wer sich auf Traditionen und die besinnliche Zeit im Schoße der Familie freut, der sollte jetzt besser nicht weiterlesen.

Wer allerdings als stiller Beobachter ein völlig chaotisches fränkisch-neapolitanisches Familienfest erleben will, ein Weihnachtsfest, bei dem sich deutsche und italienische Traditionen ein Rennen liefern, bei dem sich nicht alle Familienmitglieder besonders wohlgesonnen sind, bei dem die ein oder andere Heimlichkeit ans Licht kommt, bei dem es zeitweise richtig dramatisch wird, bei dem jede Menge Essen auf den Tisch gezaubert wird und bei dem man sehr oft und sehr herzlich lachen muss, dem sei dieses Buch dringend empfohlen. 

- "Weihnachten mit der Verwandtschaft, Ostern mit wem es dir gefällt!" - Zitat Seite 9

....oder auf italienisch: Natale con i tuoi, pasqua con chi vuoi! So lautet Nonna (= Oma) Elsas Motto - was zur Folge hat, dass Anna, 23, Single, mit einer in ihrer Familie einzigartigen teutonischen Gelassenheit, noch bei ihren Eltern wohnend und die Ich-Erzählerin dieser Geschichte, sich bereits Anfang Dezember auf Ostern freut. Jedes Jahr auf's Neue. Denn Weihnachten wird das Heim der Familie Maiotti zum Irrenhaus: 
Annas jüngere Schwester Maura inszeniert gerne große Auftritte, kommandiert ihre Schwester herum und pflegt meistens ihren Liebeskummer. 
Bei Cousin Angelo, seiner Frau Arianna und den Kindern Ugolino und Savia ist nichts so, wie es scheint.
Urgroßmutter Fabiola zieht aus dem Altersheim heraus die Fäden und lacht sich ins Fäustchen über die - in ihren Augen größtenteils nicht sehr helle - Verwandschaft.
Onkel Franco und Tante Gina sind nicht das, was sie vorgeben zu sein.
Der engagierte Weihnachtsmann Massimo ist ein wenig...nun ja....anders. Irgendwie.
Großmutter Lieselotte und Großvater Franz graut es jedes Jahr auf's Neue vor dem Weihnachtsfest bei den "Hottentotten".
Nonno (= Opa) Corrado ist damit beschäftigt, die Tarotkarten zu legen und Horoskope zu lesen und schert sich nicht besonders viel um den Rest der Verwandtschaft.
Annas Mutter hat alle Hände voll zu tun, ihren Platz in der Küche zu verteidigen und Annas Vater flüchtet während der Feiertage gerne mal für ein paar Stunden zur Arbeit.
Ach ja, und dann sind da noch Annas Chef, der ein Schwerenöter ist, ein etwas trotteligen Medizinstudent/Bademeister/Weihnachtsmarktrüpel und jede Menge Feuerwehrmänner. 

Nein, langweilig wird es uns bestimmt nicht, wenn wir als Leser zu Weihnachten bei der Familie Maiotti zu Gast sind, als Beobachter still auf einem Stuhl in der Ecke sitzen, bei den ganzen angebotenen Speisen immer mehr Appetit bekommen und vor allem ungläubige Augen machen. Weil wir noch nie so ein Weihnachtsfest erlebt haben. Hektisch und laut. Voll und dramatisch. Spannend und lustig. 

Astrida Wallat lässt den Leser in ihrem Buch kaum zu Atem kommen, denn eine Begebenheit löst die nächste ab, ein Dialog voller Sarkasmus und Wortwitz folgt auf den nächsten. Dabei wirkt die Geschichte niemals überladen, sondern einfach nur lebendig. Die Autorin schreibt und beschreibt in einem so angenehmen und bildlichen Stil, dass man gar nicht anders kann, als sämtliche Protagonisten zu mögen. Und nebenbei lernt man sogar noch einige italienische Redensarten, die öfter eingestreut werden - natürlich direkt mit der passenden Übersetzung.

Festtagsstimmung ist hier garantiert und nach der Lektüre von "Pikkolo und Panettone" wünscht man sich seine eigene italienische Familie. Ein wirklich wunderbares Buch, das für einige sehr unterhaltsame Stunden sorgt. Daher lautet MEIN FAZIT: 5/5 BÜCHEREULEN 


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Kommentare: 1
  • #1

    Bärbel Wintrath (Mittwoch, 09 Dezember 2015 19:34)

    Du hast mich so neugierig auf dieses spritzige Buch gemacht, daß ich es gerade
    " runtergeladen" habe. Ich freue mich drauf!