(Rezension) Katrin Koppold - Zeit für Eisblumen

ZEIT FÜR EISBLUMEN (Sternschnuppen-Reihe Band 2)

von KATRIN KOPPOLD



Rowohlt Taschenbuch Verlag (www.rororo.de)

Erschienen im September 2015

ISBN 978-3-499-26986-8

Format: Taschenbuch

Preis: 9,99 Euro

Seiten: 320






- "Manchmal muss man ganz schön weit reisen, um nach Hause zu finden." - Dieses Zitat befindet sich auf der Rückseite von "Zeit für Eisblumen" und lässt schon erahnen, dass wir die Autorin falsch eingeschätzt haben. Denn "Aussicht auf Sternschnuppen", der erste Band der Sternschnuppen-Reihe, war lustig, bunt, laut, verrückt und zum Schreien komisch. Hier ging es um Helga und ihre kleinen und großen Liebesdebakel (meine Rezension dazu findet Ihr *hier*). 

In diesem Band geht es nun um Fee, Helgas Schwester, die wir im ersten Band auch schon kurz kennenlernen durften. Von dort haben wir sie als selbstbewusst, ein wenig arrogant, schlagfertig und mir-doch-egal-was-die-Leute-über-mich-denken in Erinnerung und rechnen daher nun natürlich auch hier mit einem Roman, in dem die Fetzen fliegen.

Und müssen schon bald feststellen, dass wir uns mit dieser Erwartung völlig auf dem Holzweg befinden. Denn Katrin Koppold überrascht uns mit einer völlig anderen Fee....


Fee ist mittlerweile (ungeplant) Mutter geworden und lebt mit ihrem Freund Sam und dem gemeinsamen Sohn Paul zusammen in München. Ihren Job als Redakteurin eines Lifestyle Magazins hat sie immer noch und verliert sich mehr und mehr selbst dabei, es allen recht machen zu wollen und stets 150 % geben zu wollen, zu müssen. 

Sam, der eigentlich die Apothekenkette seiner Eltern erben sollte, entschied irgendwann, dass das nichts für ihn ist und sattelte kurzerhand auf Lehramt um. Seitdem ist Fee die Hauptverdienerin in der Beziehung, was mehr und mehr zu Streitereien führt. Während sie einen sehr stressigen Arbeitsalltag hat und sich anschließend noch um Kind und Haushalt kümmern muss, hat Sam mittags Feierabend und überschlägt sich den Rest seines Tages nicht unbedingt dabei, Fee zu entlasten. - Und genau diese lasche Einstellung und die Respektlosigkeit Fee gegenüber machen mir Sam kontinuierlich unsympathischer.


Fee fühlt sich von ihm allein gelassen, ist mit Paul ziemlich überfordert, sieht sich selbst als schlechte Mutter und hat überhaupt manchmal das Gefühl, kurz vor`m Durchdrehen zu sein. Die Tatsachen, dass sich Fees verhasste Kollegin ganz offensichtlich an Sam heranmacht und dass Fee öfter mal kleine Aussetzer hat, die auf eine Panikattacke hindeuten, machen das Dilemma auch nicht besser. 

Irgendwann kommt es wie es kommen muss und Fee trennt sich von Sam. Sie braucht dringend eine Auszeit, sowohl räumlich als auch emotional, denn ihr wächst schlicht und einfach alles über den Kopf.


Was das Räumliche angeht, tja, Irland im Winter und mit Baby soll ja sehr idyllisch sein. Fee erntet nichts als entgeisterte Gesichter, als sie ihrer Familie verkündet, was sie vorhat: Mit Baby Paul nach Irland reisen. Im Winter. Da die Ehe der Eltern sich auch gerade in einer heftigen Krise befindet, kann sie ihre Mutter Milla (Ein absolut grandioser Charakter! Ich liebe diese Protagonistin!) dazu überreden, sie zu begleiten.

Was Milla allerdings nicht ahnt: Sie wird auf dieser Reise des öfteren als Babysitter fungieren müssen, während Fee David sucht. David? Ja! Die Wahrheit ist: Fee hat es auch ein wenig faustdick hinter den Ohren, denn da war halt diese eine leidenschaftliche Nacht mit dem irischen Straßenmusiker David. Während ihrer Beziehung zu Sam....

Vielleicht war er der Richtige? Vielleicht hat sie die Chance ihres Lebens verpasst?


War der Roman im ersten Drittel sehr emotional und hat mich als Leserin mit Fee mitleiden lassen, nimmt die Handlung nun mehr und mehr an Fahrt auf. Der Schauplatz Irland an sich hat es mir ja sowieso schon angetan, denn ich liebe diese Insel. Emotionen kommen aber auch weiterhin nicht zu kurz, allerdings gemischt mit den typischen Koppoldschen skurrilen Situationen und schrägen Vögeln, die den Weg von Fee, Milla und Paul kreuzen. 

Man kann die Reise der Protagonisten auf der Landkarte verfolgen und ist begeistert, wie anschaulich die Autorin Irland im ungemütlichsten Wetter beschreibt, die irische Mentalität, die irischen Ortschaften und Touristenattraktionen. - So schön, dass man am liebsten sofort selber die Koffer packen würde.


Katrin Koppold hat mit "Zeit für Eisblumen" einen Roman geschrieben, der mit ihren anderen Werken nicht zu vergleichen ist, der nachdenklich macht und noch einige Zeit nachhallt, der leiser und gefühlvoller ist als alle ihre vorherigen Bücher. Dennoch ist hier ein absoluter Lesegenuss sicher, denn MEIN FAZIT lautet: 4,5/5 BÜCHEREULEN.


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