13 Fragen für .... ANDREA HACKENBERG

Foto: Michael Kleinespel

Andrea Hackenberg, Jahrgang 1973, ist Journalistin und Mutter, in beiden Jobs aktiv und deshalb völlig übermüdet. Sie arbeitet seit hundert Jahren an einem wegweisenden Roman, dessen Deadline sie so oft verschoben hat, dass sie selbst kaum noch weiß, worum es darin geht. Für kürzere Texte reicht ihre Aufmerksamkeitsspanne aber noch: Aktuell ist bei Knaur
Feelings eine Kurzgeschichte von ihr in der Anthologie „Wellenküsse und Sommerfunkeln“ erschienen, herausgegeben von Gabriella Engelmann.

Foto: Michael Kleinespel


1. Was (außer einem Buch natürlich) darf auf gar keinen Fall fehlen, wenn Du liest?
AH: Decke, Kuschelkissen, genug Platz zum Ausstrecken.
2. Dein Lieblingsleseort?
AH: Egal wo, Hauptsache, ich kann liegen.
3. Worüber muss unbedingt noch ein Buch geschrieben werden?
AH: „Da geht noch was – wie man dem Tag mehr als 24 Stunden abtrotzt und sich das Schlafen
völlig abgewöhnt.“
4. Worüber sind schon viel zu viele Bücher geschrieben worden?
AH: Zeitmanagement.
5. Eine Szene in einem Buch, die Du völlig anders geschrieben hättest?
AH: Vom Winde verweht – Scarletts Reaktion auf die Nachricht von Melanies Tod. Statt den
trauernden Witwer zu betüddeln und damit die Liebe ihres Lebens zu vergraulen, hätte sie
sich doch auch so verhalten können: „Und Scarlett erkannte, dass ihre Schwärmerei für ein
Milchgesicht wie Ashley Wilkes an Unreife nicht zu überbieten war. Deshalb setzte sie sich
hin und schrieb ihm einen Kondolenzbrief, den sie durch einen ihrer Dienstboten überbringen
ließ. Für persönliche Beileidsbekundungen fehlte ihr die Zeit, denn davon hatte sie auf den
letzten 400 Seiten schon viel zu viel verschwendet. Mit wehendem Haar eilte sie in den Salon,
wo Rhett am Kaminsims lehnte und den vierten Brandy dieses Nachmittages in sich
hineinkippte. Als er aufsah, begegnete sie dem Blick eines Mannes, der alle Hoffnung
verloren glaubte. „Du kannst bleiben“, sagte sie atemlos. „Aber dein Schnurrbart muss ab.“
6. Mit welchem Genre kannst Du gar nichts anfangen?
AH: Ich habe eindeutig zu schwache Nerven für Krimis und Psychopaten-Geschichten und bin
deshalb auch nie über die erste Seite eines Elisabeth George-Romans hinaus gekommen.
Frage mich, ob diese Frau sich noch traut, nachts allein aufs Klo zu gehen – bei all dem
Schauerlichen, das sie sich ausdenkt. Für Fantasy-Romane wiederum fehlt mir
bedauerlicherweise die Phantasie – dabei hätte ich den Hobbit-Hype wirklich gern
mitempfunden. Sollte aber nicht sein.
7. Ein Buch, das Dich total gelangweilt hat?
AH: Das war eine Crime-Story eines Kollegen, die ich nur mit Mühe bis zum Ende durchgehalten
habe. Handwerklich ein großartiges Buch, sagen Krimi-Leser, die etwas davon verstehen. Für
mich eher eine Einschlafhilfe.
8. Ein Buch, das Dich völlig überrascht hat?
AH: „Darm mit Charme“ von Giulia Enders. Hätte nie gedacht, dass ich zu diesem Thema jemals
mehr lesen würde als den Beipackzettel eines verdauungsregulierenden Medikaments.
9. Ein Buch, das Du von der ersten Seite an geliebt hast?
AH: „Hummeln im Herzen“ von Petra Hülsmann. Auf einer Zugfahrt von Berlin nach Frankfurt
habe ich bei der Lektüre dieses Buches so laut gelacht, dass die Snackverkäuferin stehen
geblieben ist, um zu fragen, was ich da lese. Wirklich eine süße, mit echtem Herzblut
geschriebene Liebesgeschichte.
10. Deine aktuelle Lektüre?
AH: Ratgeber, die sich mit der Trotzphase des Kleinkindes beschäftigen. Meine Tochter verlangt
danach.
11. Mit welchem Autor/in würdest Du gerne mal einen Kaffee trinken gehen?
AH: Mit dem bereits verblichenen Thomas Mann. Den würde ich bei einem laktosefreien Vanilla
Latte gerne mal fragen, ob sein Hang zum Bandwurmsatz ästhetisch begründet war, oder ob er
einfach nur unverständlich schreiben wollte. Ob er jede zum Sterben freigegebene Figur in
seinen Romanen nur deshalb mit gelben Zähnen ausgestattet hat, damit Generationen von
Germanistik-Studierenden sein elend langes Werk nach genau diesem Stilmittel durchsuchen?
Und warum er nicht einfach mal in eine Schwulenbar gegangen ist, statt kleinen Jungs am
Strand nachzustellen. Nobelpreis hin oder her – ich mag ihn nicht, den alten Sack.
12. Welches Buch sollte unbedingt mit wem in der Hauptrolle verfilmt werden?
AH: Öhm – „Hummeln im Herzen“ vielleicht? Mit dem möglichst textilfreien Oberkörper eines
Florian David Fitz in der Hauptrolle?
13. Dein Gruß an alle Leser, Blogger und Autoren?
AH: Weiter so, Muchachas!

Andreas bisher veröffentlichte Romane:

0 Kommentare